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недеља, 11. јануар 2009.

Miroslav B. Dušanić: Um mehr als sich selbst zu finden

Um mehr als sich selbst zu finden

Von der Flucht verlassen
tauche ich in die Begriffe ein,
die versuchen,
meine aktuelle Situation zu benennen.

Je klarer sie sich unterscheiden,
desto deutlicher überschneiden sie sich,
denn es gibt nicht einen diesen Begriffen,
der meine Lage einfach darstellen ließe.

Und die Suche geht immer weiter,
dessen nicht achtend:
denn ich möchte nicht verjähren.

Miroslav B. Dušanić


«Die schlimmste und verbreiteste Krankheit, die uns alle, unsere Literatur, unsere Erziehung, unser Verhalten zueinander durchseucht, ist die ungesunde Sorge um den Schein.»

Walt Whitman: Tagebuch, 1876

петак, 14. новембар 2008.

Claudia Johann: Der große Metaphysiker II

Fotoausschnitt: © by Bob Kelly

ein Stern fiel
in das Labyrinth des Wahnsinns
geradewegs vor die Füße des großen Metaphysikers
der Stern detonierte sanft
aber doch so
dass die Wände des Labyrinths
wie Spielkarten zusammenfielen

im letzten Flimmern
des tödlich verletzten Sterns
fand der große Metaphysiker die Orientierung wieder
er weinte dankbar aber auch verzweifelt
ein Stern hatte sich für ihn zu Tode gestürzt
nun musste er die Bürde tragen
die da hieß:
ZURÜCK IN DIE WIRKLICHKEIT!!!

Claudia Johann

субота, 12. јул 2008.

Miroslav B. Dušanić: Godot

Miroslav B. Dušanić
Godot

Godot müsste bald kommen
als Emigrant heimlich
aus der Fremde
vielleicht auch nicht
aber ich lebe wie bisher
vergraut nach jedem Winter

Miroslav B. Dušanić

AP Archiv - Samuel Beckett (1966)
Estragon: Komm, wir gehen!
Wladimir
: Wir können nicht.
Estragon
: Warum nicht?
Wladimir
: Wir warten auf Godot.
Estragon
: Ach ja.

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Estragon: Wir finden doch immer was, um uns einzureden,
dass wir existieren, nicht wahr, Didi ?
Wladimir (ungeduldig): Ja ja, wir sind Zauberer.
(Samuel Beckett)


Wir warten auf Godot,
Darum können wir nicht gehen.
Wir wissen zwar, dass er nicht kommt,
Aber nun haben wir schon
Mit Warten angefangen.
Wladimir und Estragon sind auch
Noch nicht da.

P. Spinger

понедељак, 16. јун 2008.

Miroslav B. Dušanić: Siegel-Notiz

Mark Tobey - ohne Titel
Siegel-Notiz

Abends vergrabe ich mich zur Ruhe
Die Nacht bedeckt still
Hinterlassene Spuren lösen sich auf
Wort für Wort:

Sprachgitter
Spiegel
Silberfläche
Glassplitter

Gewitter
Wellenschlag
Wolkenfetzen
Wasserströme

Im fahlen Mondlicht meine Haut
Ergraut und laut bricht...

Übrig Staub vom Gedicht

Miroslav B. Dušanić

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Die Spiegelsplitter von denen das Blut tropft –
Die Wörtergitter, wenn noch das Herz klopft –
Die graue Haut im bleichen Siegel –
Und dann die Worte – Seelenspiegel.

© by P. Spinger

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abends vergrabe ich mich zur Ruhe:
Satzgewölk
Auflösung
Satzfetzen
zerfetzte Worte
sinnlos aneinandergereiht
und endlich:
die Wirrnis ertrinkt
widerstrebend
in silbriger Flut
Erlösung!

© by Claudia Jo

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So leise ist Tag nicht
nicht Nacht
so hell nicht
wenn Sonne aufgeht
nicht der Mond
so leer nicht der Morgen
der Abend
Mittag nicht
stolz nicht
nicht stark
übrig nicht
Staub vom Gedicht

© by SuMuze

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Das rote Siegel, Schlaf und Traum,
verbannt des Lichtes düsterste Gestalten,
den Flittergeist aus Wort und Angst und Wut,
das Hingehauchte und das Ausgestoßne,
das grelle Bildgemisch von
zäh-vertropften Stunden
schließt ab und öffnet,
das ist gut...

Die rätselhafte Macht des Siegels:
(da ist nichts mehr wie es gerade war)
bewahrt nur scheinbar Klang und Sinn,
verschüttelt Wort und Wort ganz ohne Zutun,
und bietet sie beim Aufbruch
scheuen Blicken
- von Staub befreit -
zum Neubeginn...

Gabriele Brunsch

понедељак, 10. март 2008.

Miroslav B. Dušanić: Texte und Stimmen

Texte und Stimmen

nichts mehr halten können
es strömt alles bergab
zur brust
überall spuren wortbrüche

Miroslav B. Dušanić
© by photoclasta
wortfluss

ich steige nicht
verstummt hinein
ich schweige nicht
verstockt hinaus
ich treibe leise
flußabwärts
lautentbrannt

© by SuMuze

среда, 27. фебруар 2008.

Miroslav B. Dušanić: Odyssee 2008

2008

Ein schönes Licht
es zieht auf, sieh!
die Stille bricht
so laut wie nie.


© by Danilo Vuksanović

Odyssee 2008

Und wieder beschleicht mich ein sonderbares Gefühl:
mir ist, als wollen sich die Gesichter der Verstorbenen
und Umgebrachten in mir beleben,
die schlafen gelegen seit Jahrhunderten.

Ihr Geretteten seht alles vom Opfer her.
Da im Ausland - nachts in leeren Räumen,
verglüht euer Traum von der Rückkehr
nach Bosnien oder andren Schlachtfeldern.

Weil ihr glaubt alle Dinge zu wissen: wie viel an Leiden
die Erwachsene und Kinder in der weiten Welt
auf Beschluss der Götter erduldet haben, und
glaubt zu wissen, was in der Zukunft geschehen wird.

Miroslav B. Dušanić

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AHNUNG

Plötzlich die Ahnung:
angstvoll setzt du die Schritte
die Pfade vermint.

There’s a foreboding:
Fearfully setting your steps
mines everywhere.

Miroslav B. Dušanić: Geschmack der Liebe

Geschmack der Liebe

Auch in dieser Nacht ein Geschrei
von Hier nach Dort.
Es fließt das herbe Getränk,
schnell wie dieser Monat Februar 2008.
Aber die Angst bleibt,
dass ich dem Nichts meine Zärtlichkeit schenke.

Miroslav B. Dušanić

© by Sergey Belov
Schweiß
schmeckt danach
Salz
von Tränen
auch Striemen
die
nicht einer mehr sieht;
glimmende Liebe
wärmt nimmer
nicht heil
ist für niemand gemacht.

© by SuMuze

уторак, 19. фебруар 2008.

Miroslav B. Dušanić: Nr. 17

© by Dragan Ilić Di Vogo
unterwegs
17

das licht geht
aus

für fragende
blicke

noch gibt es
uns

im schlaf

Miroslav B. Dušanić

© by Zoran Pecin - Prozess (Proces)
/Photo © by Aleksandar M. Lukić/
Muschelschlaf

das traurige schauen
rannte zur nacht
und wärmte sich dort

Fabian Tietz

понедељак, 04. фебруар 2008.

Miroslav B. Dušanić: Bald hinter uns die Zukunft

© by Maks Tarnalitsky
Bald hinter uns die Zukunft

Wolkenüberzogene Nächte
schwerelos
und gespenstisch
verschleiern unsere Blicke.
Die Zukunft spannt ein Seil
über die Welt
und wir beugen uns
tastend
nach der verlorenen Spur.

Miroslav B. Dušanić
/dank für die inspiration an fabian tietz /

понедељак, 06. август 2007.

Miroslav B. Dušanić: Wenn morgens mein Himmel entflammt


wenn morgens mein himmel
entflammt — zart
kitzelt dich ein grashalm

der baum spreizt
seine langgestreckten finger
— singend

vögel fallen — wie geschosse
in lockende blütenpracht
gehen zugrund

Miroslav B. Dušanić


an diesen morgen

an diesen morgen
wenn die grashalme zittern
unter dem atem des erwachens
der zarte röte in die wiesen bläst

wenn sich die bäume
nach dem tage strecken
und ihren nachtgedanken
lichte punkte säuseln

wenn sich mein blick
im tau der frühe klärt
und doch der horizont
sich nur im grau verflimmert

an diesen morgen
kann es sein
dass meine sehnsucht
aus dem nest fällt
und ihre flügel
unter welken sommerrosen
zu grabe trägt

© by lylo



Photos: Miroslav B. Dušanić

понедељак, 16. јул 2007.

Miroslav B. Dušanić: Und sie sprachen untereinander

Und sie sprachen untereinander

für so viele leben nicht mehr zeit
sich aus dem abgrunde zu reißen

Miroslav B. Dušanić

Мирослав Б. Душанић
und sie kämpften miteinander

für so viele gräben nicht mehr zeit
sich in die hohen lüfte zu schmeißen

© by Fabian Tietz

среда, 11. јул 2007.

Miroslav B. Dušanić: Über das Unantastbare

Über das Unantastbare

wir reden über kafka
und stille
so selbstverständlich
so sicher -
ein mann und
eine frau nackt
wie ein verdorrter baum
- und doch
wir haben nichts
als unsere worte
auf den lippen hängend

Miroslav B. Dušanić

© Bill Kane, 2004,
hinwegsehen

und dann
bricht schweigen
raum
zwischen mündern
unsicher
ob der blicke
in ihre nacktheit
verschämt
suchen sie zuflucht
hinter einem baum

mochte kafka
feigen?

© by kathrin m.

недеља, 17. јун 2007.

Die Dinge enthüllen sich durch die Erinnerungen

Matschhase © by Viktoria Weihmann - Vicky

Die Dinge enthüllen sich durch die Erinnerungen,
die man daran hat.
Sich an eine Sache erinnern bedeutet,
sie - erst jetzt - zum ersten Mal sehen.

Cesare Pavese

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...hier erinnern sich - zum ersten Mal sehen Fabien Tietz, lylo und meine Wenigkeit:


Erdscheibe senkrecht

Mintgrüner Boden
neben mir
während ich auf blauer Birke tanze
und in deine fragenden Augen schaue

nimm mich ernst,
ich bin es nicht.

Fabian Tietz


die welt ist rund

barfuss
mit neugierigen lippen
tanze ich meine fragen
auf die äcker
deiner blühenden landschaft

ich verspreche nichts
erfülle lächelnd

© by lylo


Femme fatale IV


mit sanften Handbewegungen

verlasse ich leicht ansteigende Hügel

im engen Tal deines Unterlandes

den seidenweichen Rasen bewässern
und liebevoll zu pflegen

Miroslav B. Dušanić

 

erweckt

auf lippenspitzen gehe ich
erklimme den leuchtturm
in den wogen
deiner südlichen meere

traumüber in die gischt
zu stürzen
die mich zum leben erweckt

© by lylo

 
Femme fatale VI


die Muscheln

in zahlreichen Arten
und Gewässern ansässig

nur in deinem See

perlenbestickt

Miroslav B. Dušanić

 

meerestiefen

in meinen muscheln
wachsen die perlen
der morgenröte

ein seepferdchen
richtet sich auf
neigt seinen kopf
spiralt seinen leib

ich reite
auf flüssigem samt
in den tag

© by lylo

субота, 09. јун 2007.

Miroslav B. Dušanić: Wo unsre Erinnerung weilt

Wo unsre Erinnerung weilt

Beim Untergang des Lichts
du erkennst
des Rufers schwarze Lippen

Du ziehst die Schublade auf
- drinnen: gereimte Tränen
und Stimmen
in den verregneten Gassen

Die Abschiedsbriefe
in deiner Hand - sechzehn
Jahre lang verschlossen

Miroslav B. Dušanić


als Kommentar ein Parallelgedicht von Dagmar - Eva Mempel:
 

Der Zeiger der Bahnhofsuhr
hat längst
die schlechteste Stunde
geschlagen - letzte Münze tönt
im Einklang der Heimat -
Ich steh - und wart auf Dich

© d.e.m

среда, 22. новембар 2006.

Tasso J. Martens und Miroslav B. Dušanić

so schenkte ich dir
eine rose – perlmutt-
betaut im gegenüber
erahnte ich's

bis

das licht ins dunkel
stürzte und kühle mich
umfing


Tasso J. Martens – 3. September 2006


so nahm ich sie
deine rose – wortlos –
von deinem schritt
entzückt

bis

das sommerglück
in letztem vogelsang
vereiste


Miroslav B. Dušanić – 3. September 2006

Nach der Lesung - eine ganz gemütliche Dichterrunde im Erdinger Weinkeller: von links Miroslav & Sara Dušanić und Tasso J. Martens