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уторак, 21. август 2012.

Miroslav B. Dušanić: Die Nacht leuchtet rot

© by Andreas M. Lubina: Rote Landschaft
die nacht leuchtet rot
so rot brennst du in meinem fleisch*

es rauscht in der brust
                       tief in mir drinnen
es summt von stimmen
                       aus der erinnerung

im schlafzimmer
                       untertauchen und
                       steigen
starren aus den fenstern                
verschwinden und
                       wiederkehren
                       unberechenbar
unruhig wimmeln
ineinander blicken
                       sind so nah

verschmelzen rote bilder rings
                       um mich
so rot brennst du in meinem fleisch

Miroslav B. Dušanić

_____________________________
* bei Elsa Rieger

четвртак, 31. мај 2012.

Im Spiegel - eine freundliche Übertragung


…Das Un-Gedicht von der Unmöglichkeit…

...was muss ich alles erleben!
ach, könnt ich mit einer spitzen schere
die grauen gedanken wie wertlose tücher
ratsch! in der mitte durchschneiden,
die fetzen zum putzen verwenden
und im glanz der frischen sauberkeit
in meinen tag tanzen...
ach, könnt ich’s doch, könnt ich’s...

Gabriele Brunsch


…was muss ich alles erleben!

immer mehr verstricke ich mich
in die lyrikwelt
und in den worten halt suchend
verliere ich die wahren freunde
die deutschsprechenden
die muttersprachesprechenden
die anderssprechenden

und immer mehr plagen mich
die grauen gedanken…

Miroslav B. Dušanić


Schau hin*

Du bist es,
der im Wortschaffen
sich findet -
du bist es,
schau hin!

Kein Verlieren,
ein Finden
in Tätigkeit -
schau hin!

Die Gedanken -
sie lichten sich
und dem Phönix gleich
stehst Du auf,
Dir zu lächelnd.

© by Bernhard Albrecht, 30.05.2012
* für Miroslav B. Dušanić

среда, 09. мај 2012.

Ein Strahlen und eine Beruhigung

.

du bist ein prinz, ein zeitlos lichtes wesen,
durchlebst die see, in sturmzerfetzter dunkler zeit,
von spiegel-glänzend laub dein kleid
durch dich kann ich genesen.
du bist der h o f f n u n g s s c h i m m e r,
der unerschrocken heftig immer
sich aus erinnerungen perlend neu gebiert
wenn schmerz kommt, leiden wieder lastet,
sich strahlend hell nach oben tastet
und niemals sich ins niemals-nicht verliert...

.

Gabriele Brunsch


Stark, all deine klangkraft als dichter.
ja, Du weißt, wie’s gemacht wird:
der knoten zieht sich zusammen,
alles ist in der schlinge –
die schlichte rede- und denkweise,
die seefahrt und astralreise –
kein aufdröseln ist mehr möglich,
kein durchhauen…
und immer ein paar schritte näher,
ein paar schritte voran
im feuer des eigenen gewissens.

all das fließt unmerklich und 
blitzartig – die geister auf dem gange
lassen sich nicht durchschauen...
und das chaos drängt empor ans licht:
„j e   m e h r   m a n   s c h ö p f t,
d e s t o  m e h r   b l e i b t  z u r ü c k.“*
… und wie oft stimmt das gar nicht,
und die kunst geht voran.
mir ist, ich bin selber D e i n  g e d i c h t.

Miroslav B. Dušanić

* Marina Zwetajewa: Ein gefangener Geist

понедељак, 19. март 2012.

Profanität

Profanität

Diese Freiheit
meine Nachbarn sprechen oft darüber
indirekt
spüre ich nicht.

Sie brauchen wohl weniger von ihr.

Fabian Tietz


Profanität

Diese Gefangenschaft
meine Nachbarn sprechen nicht darüber
sie spüren sie nicht.

Schön wäre es doch.

Miroslav B. Dušanić

недеља, 09. јануар 2011.

Elsa Rieger: Du / Miroslav B. Dušanić: Du

Du

ich schaute dich nur einmal
Jahre ist es her und alles Sehnen half nicht

so hangeln wir uns an Worten
entlang des Grats vom Älterwerden

vielleicht ergibt sich ein Treffen
in irgendeinem anderen Leben

Elsa Rieger


Du

in zarten Gedichten ruhend
(nach so langer Zeit)
versinkst in mir (Wort um Wort)
Zusammengeflochtenes von damals
entfesselt mich
und knotet mich wieder an
in einem Raum (der sich bald auflöst)

Miroslav B. Dušanić

уторак, 11. новембар 2008.

Miroslav B. Dušanić: Stillschweigen

© by Johann Heinrich Füssli - Das Schweigen

Stillschweigen 
                                            für Gabriele

Diese lange Stille erfüllt mich mit Sorge
Nichts verrät die Nacht
Noch nicht

Was ist geschehen
An welchem Platz stehst Du jetzt
im Mysterium des Seins

Wohin gehst Du immer weiter fort…
In die Ohnmacht der Tatenlosigkeit
wie Heimatlose
vom Echo der Seelen getragen

Wohin liest Du Dich
Wohin denkst Du Dich
Der Winter naht
und stürzt in die Baumäste herab

Miroslav B. Dušanić


mein stillschweigen im 5-silben-takt

in diesen hellen
novembertagen,
von licht durchflutet
ist die nacht mir fremd,
noch ist sie fremd, jetzt,
lastet nicht, sticht nicht,
schwebend die schritte
lächelnd, leicht der sinn,
so leicht, fast trunken,
auf der haut tropfen
von leiser musik,
im haar die sonne...

das zu halten wär gut,
das zu bewahren,
gleich einem kleinod,
einglasen das glück,
festkleben an mir,
lichtflecken sammeln
mit augenblicken,
im pupillentor
festmachen, ganz fest,
tief hinabsaugen
die gunst der stunden
ins sonnengeflecht...

weiß ich doch sicher,
dass mir die tage
ins nichts zerfetzen,
wenn kälte mich lähmt
und die traurigkeit,
das hungergewürm,
herkriecht zu mir,
sich zu ergötzen,
schaudernd verdunkelt
mit gieriger lust
die erinnerung
wegfrisst und grinst.

Gabriele Brunsch

© by Edward B. Gordon - Autumn Walk

среда, 12. септембар 2007.

Miroslav B. Dušanić: Opferungslied


Opferungslied

und war schon betrunken von schmerzen
betrunken von leidensnächten
faltete hände und gesicht
faltete maske
fürchtete nicht

und war schon in der teufelshölle
in flammenden straßen
wehlaute abzugeben
floh vor leichenantlitz
floh vor ihrem leben

und war schon mit dunklen lauten erfüllt
nicht zum spiel und vergnügen
breitete hände wieder
breitete maske
mit mühe und qual nieder

und ist schon mit dem kreuz zurückgekehrt
die menschheit zu inspirieren:
lebt wohl meine damen und herren
ich leide für euch
für euch werde ich alle gläser leeren

Miroslav B. Dušanić
_________________________________________________

Mit einem Zitat danke ich an alle Leser, die sich noch „bewegen“ wagen...

„Mithin, sagte ich ein wenig zerstreut, müssten wir wieder von dem Baum der Erkenntnis essen, um in den Stand der Unschuld zurückzufallen?
Allerdings, antwortete er; das ist das letzte Kapitel von der Geschichte der Welt:“


Heinrich von Kleist
 

Lied über die Welt der rosa Geier

Euer Wein ist meine Träne
befreiend jetzt
hier
und für den Rest
meines Vegetierens

Ich trinke eure Tränen
eure Gewalt
eure Sehnsucht
dass ihr nicht mehr dürstet
nach dem Zerfraß

Gebt sie gebt sie gebt sie
mir
so schwebt sie schwebt sie
über mir
die bleibschwerte Naivität eurer Genossenschaft

Opfert mich
bin furchtlos

fruchtlos.

Fabian Tietz

недеља, 08. јул 2007.

Miroslav B. Dušanić: Dichter

Dichter
...ein Dichter ist ein wer weggeht
und doch nicht weggehen kann.
Tadeusz Różewicz
dichter dran
diese gier
der hang
den wir entlanggehen:

diese reise angeblich

und so viele
unzählbare dinge von denen sich
unerklärliche stimmen erheben
und dann dichter -

dichter dran
unser herz
das vorübereilt

und sich verglüht
und sich vernichtet
und nach tod riecht

Miroslav B. Dušanić

P.S.
inspiriert durch
Raumwelten

Anmerkung:
...WIR schreiben uns beim Lesen, durch das Lesen in den Text ein. Wir leisten die Einschreibung in den Text. Der Text wird erst durch diese (unsere), durch diese Arbeit der Einschreibung des Lesers, zu einem literarischen Text.
Roland Barthes
Ernst Fuchs: Moses vor dem brennenden Dornbusch
so dicht am herz

und lebt
das wort
so dicht
am herz
am leid
am glück

und fliegt
von dir
zu mir

und fliegt
davon

gibt raum
und zeit
ein fühlen
selbst
im schweigen
spricht es
fort

ganz dicht
am herz

© k.m. 2007

понедељак, 18. јун 2007.

Miroslav B. Dušanić: Bevor man sich entgleist am Rand des Labyrinths

Geworfenheit © by Malte von Wildenradt

bevor man sich entgleist
am Rand des Labyrinths

das feuer lodert
- brennt nieder zu glut
sinnlos wird der augenblick - noch
einmal ausgelebt im licht
verblasst

tausend Sagen zurück
nackt und bloß in gleicher Glut

tanzen wir am grab
ohne lied irrend
die richtung ändert sich – doch
durch die trommeluhren
sind wir götter

Miroslav B. Dušanić
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Eure Kommentare zu meinem Gedicht - diese Schätze - dürfen nicht verborgen bleiben - mit dem Zitat von C. Pavese angefangen, mit ihm werde ich auch fortsetzen:

In diesem Handwerk des Dichtens schafft nicht die warme Inspiration die glückliche Idee, sondern die glückliche Idee schafft die Wärme des Inspiriertseins.

Cesare Pavese

Also, der Club 3ist nicht nur geboren, der lebt auch...

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Garten des Erkennendürfens

Irrend geschmissen
in der Welten Launen
und sie zeigt uns
boshaft Feuer
und sie lässt uns
bitter verglühen
bis schwarz unser Kleid
im Regen der Lust

Fabian Tietz



regenlust
doch mein kleid
ist rot
klebt im regen
der lust
am körper
meiner erkenntnis
und doch
schwinge ich die röcke
im irrenden rhythmus
meine nässe
zischt
im feuer
deines blicks

© by lylo


mein Blick
im Rausch
zu dir
fliegend
stürzt er ab
da der Regen
die Flügel
beschwert
und die Kraft
weicht
dich zu
lieben...
 
Fabian Tietz

nackt und bloß
die kraft
liegt an den rändern
deines glücks

der regen wäscht
sie aus meiner mitte
frei

steh auf
und flieg mit mir
nackt und bloß

die schweren kleider
hängen wir
in den wind

© by lylo

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...und Nachtragung:

Beben

Der Wind wird
heftiger
an deinem Ohr
und wärmt es

Luft durchzieht
dich
innen
wird die Welterschüttert.

Deine Glut
steigt hoch...

Fabian Tietz

stürmische zeiten

sturm
legst du
in mich

durchbebst
vergessnen
funkenflug

purpurn
glänzt
unser weg

© by lylo