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петак, 12. новембар 2010.

Paul Spinger: Teichgedichte

© by Ivan Nešić  - Maglovito jutro

Durch den Nebel

Graue Nebel sind gekommen,
Jetzt ist ihre Jahreszeit.
Bäume seh ich nur verschwommen;
Bis zum Teich ist ´s nicht mehr weit.

Worte hab ich ausgewählt,
Die den Weg zum Teich hin finden,
Aber wenn ´s am Herzen fehlt,
Werd ich sie umsonst verkünden.

Denn der Weg zum Teich ist leise,
Nur die Herzen hören ihn,
Darum sing ich diese Weise,
Dass die Nebel sich verziehn.

Langsam zeigen sich die Bäume,
Die den Teich durchs Jahr begleiten,
Und sie finden ihre Träume,
Weil sich ihre Herzen weiten.

© by P. Spinger

уторак, 24. јун 2008.

Miroslav B. Dušanić: Nutzung des Elements Erde bei der Dichterunfruchtbarkeit

Nutzung des Elements Erde 
bei der Dichterunfruchtbarkeit

Die Utensilien: eine kleine Schale
getreidekornerfüllt
ein Kessel voll Erde
ein Zettel mit dem Bleistift
vier Steine und silberne Kerze

Wenn die Tage still sind
und der Himmel weit offen
zünde Kerze an und nimm
eine Handvoll des Getreides
leg es in den Kessel und sprich:

Liebe Erdgeister
die Zeit des Neubeginns
und des Wachstums ist gekommen
mögen diese Samen sich mit eurem
Geiste vereinen und Früchte tragen

Schreibe einen Gedichtentwurf
rolle Zettel und verbrenne
entstandene Asche zu Erde
in vier Windrichtungen hinstreuen
anschließend die Steine hinlegen

Osten-Stein: lichtbringend und ideenreich
sorgt für Wärme und dass es keimt —
Süden-Stein: lebendig und verspielt
bewegt und nach vorne treibt —

Norden-Stein: kopfkühlend und beständig
all Notwendiges analysierend begreift —
Westen-Stein : schattenspendend
bremst und die Geduld schenkt dass es reift —

Miroslav B. Dušanić

© by Xárene's personal cargo
Wenn ich nicht schreiben kann,
dann schreib' ich ab.
Was ich nicht leiden kann,
das schneid' ich ab.
Sag Keiner: Mann-O-Mann,
schrieb' ich nicht ab,
blieb' ich zu knapp!
Was ich gestohlen hab'
wird irgendwann
vergessen dann.
Wenn ich erst schreiben kann
wisch ich Schweiß ab.
Gut, daß ich klauen kann,
sonst ab ins Grab
müßte ich dann,
was ich vermieden hab',
Oh Mann Oh Mann!

© by SuMuze

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Antwort der Erdgeister:

Hier: Nimm deinen Wisch zurück;
Such am andern Ort das Glück.
Jetzt liegt deine Schreinwut brach,
Also schlag bei Goethe nach;
Ändere ein bisschen was,
(Siehst du, das macht richtig Spaß.)
Nimm von Brecht noch ein Zitat,
Fertig ist das Plagiat.

P. Spinger

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Heiterer Gemeinplatz zum Wörterklau
(...jenseits der juristisch sehr vage gefassten
Lage zum Thema „Plagiat“)

In einem Ozean von Klängen und von Worten,
von Geist, Gedanken, Tönen, Bilderfluten,
von euch und uns, von ihnen, diesen, jenen,
von ihr und wir, von massig „du“ und „ich“,
von jetzt, von damals, hier und anderorten,
schwimmt diesseits aller Ewigkeiten,
in myriadenfachen Sinnsegmenten,
Buchstaben-, Klang- und Bilderplankton!
Und dieses einzig:
Nur für mich.

Stupides, Aufgemotztes, Reines,
sehr Kluges auch, tiefgründig Feines,
Gepanzertes und filigran Gereimtes,
ein Satzgewimmel, Klares und Verschleimtes
Zerlesen- und Zerhörtes, planvoll gebauter Stuss,
begnadet hohe Kunst, aus 26 Lettern Sinnvereintes,
durchschwimme ich, bisweilen zaghaft,
vermessen - überheblich, voller Demut!
Und dieses meistens:
Mit Genuss!

Nenn mir die unberührten Wörter,
nenn mir die Sätze die noch keiner sprach,
ich dichte mich entlang am abgespulten Faden,
dem mir vertrauten Rhythmus nach,
und wenn in meinem Satzgespinnst
nur längst benutzte Wortgedanken sich verhaken,
dann wär’s wohl künftig besser ich blieb stumm,
als weiter nur als Wörterdieb in Repetition
(Was reimt sich jetzt? Ach, Mist, verdammt!)
ermüdend wie ein Frosch zu quaken:
Quak – Quak!

Gabriele Brunsch

петак, 13. јун 2008.

Paul Spinger: Drei Gedichte

Paul Spinger
Mein Geheimnis

Niemand der schreibt
Sucht eine Antwort,
Schreiben IST die Antwort.

Lange bevor es
Geschrieben werden kann,
Ist das Gedicht schon da.
Ganz allein
Für sich im – wo?

Auch wenn
Es nicht mehr gelesen
Und gehört werden kann,
Es ist nicht verschwunden.

Niemandem werde ich
Erzählen,
Wo meine Gedichte wohnen.
Das ist eines
Der unmöglichen Dinge.

© by P. Spinger

© by Mirjana Filipović - Paranoia 1 (Paranoja 1)

Marina Zwetajewa

Wenn ihre Seele schwingt, und schwingt,
Trifft sie zuweilen ein
Gleichklang meines Herzens.

Wie kann sie denn so lange gestorben sein,
Wenn ich doch ihre Wärme fühle?
Ein Trost, dass Worte mir
So überhaupt nicht sterblich sind.

So les ich voller Freude,
Voller Staunen.
Marina.
Russisch lernen.

© by P. Spinger

© by Mirjana Filipović - Paranoia 2 (Paranoja 2)
Tadeusz Rozewicz

Nur silbern bleicht er
In der blauen Stunde,
Der große Mond,
Der goldne Berg der Armen.
Dann in der Nacht,
Er spricht zu mir,
So wie er zu der
Armen Mutter sprach,
Und gibt den Reichtum,
Der nichts kostet,
Und ist nicht immer,
Aber überall
Zu sehen.

© by P. Spinger

среда, 04. јун 2008.

Vernetzte Kommentare

© by Harry Clarke
Geh nicht unter die Schatten,
Lethe ist lang nichts für Leben.
Erst wenn die Worte ermatten,
Können wir gar nichts mehr geben.


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ermattet nur tropfen
worte - rot sind sie
zähflüssig hinterlassen
sie ihre zeichen bis
der nächste regen hinfort
sie spült

уторак, 03. јун 2008.

Es ist so still...

Es ist so still an den schattigen Orten
in ihren teuflischen Sphären
wo die Fäulnis sich
auf das Leben
stürzt
und würgt
und beißt
und reißt
und frisst…

Miroslav B. Dušanić

© by Tara Karamatijević - Zeichnung 8 (Crtež 8)

Geh nicht unter die Schatten,
Lethe ist lang nichts für Leben.
Erst wenn die Worte ermatten,
Können wir gar nichts mehr geben.