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понедељак, 5. новембар 2012.

Miroslav B. Dušanić: Niederlage


Niederlage

So atmet die müde Freiheit*
Jetzt sind wir allein
Wie Spinngeweben
Zwischen uns viele Grenzen
Kein Vers
Keine Liebesbriefe
Aus dem alten Album
Nur der Rausch der Gefangenheit

Miroslav B. Dušanić

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
* Adam Zagajewski


unsere zeit - entgleitet
in der riesigen sanduhr
kein halten
irgendwann fehlte die kraft
tief in uns drinnen

Nebelworte

четвртак, 4. јун 2009.

Miroslav B. Dušanić: Mirjana

Miroslav B. Dušanić: Mirjana

Du muß nicht schauen.
Schauen schändet.
Unsichtbares bleibt dir heil.
Geschmack auch ist
viel besser schmeckbar,
weißt du nicht,
wie, woher er stammt.
Bleib unberührbar,
Dunstprinzessin,
in deinem Haar
war ich nur Gast.

© by SuMuze

понедељак, 9. фебруар 2009.

Gabriele Brunsch: haben oder sein

© by Phil Lewis Art
haben oder sein

heute rief mich eine cousine an und fragte,
wie ich mich fühlte,
ich sagte, ich fühle mich sehr gut, und lachte.
das machte sie unruhig,
wie kannst du dich denn ruhig fühlen,
bei allem, was du erlebt hast?
ich antwortete, genau deshalb,
weil ich es erlebt habe, verstehst du?
ich weiß, was heiß ist und kalt,
ich kenne den hass und die liebe,
ich kenne die rachsucht und das wohlwollen,
ich kenne das lächeln und die fratze,
ich kenne den übermut und die bescheidenheit,
ich kenne den überfluss und die kargheit,
ich kenne das licht und das dunkel,
den erdigen duft des frühlings
und den süßen geruch vom herbst.
und den von der schneeluft auch,
die nach dem eisregen kommt...
ich kenne die glut,
deren schlieren auf dem asphalt
zu einer blaugelben fata morgana werden,
die einen wassertanz tanzt
nach der musik des sommers,
bis dir der atem stockt
und du meinst du wirst aufhören zu sein...
jetzt freue ich mich über deinen anruf,
sagte ich, nachher werde ich
einige nachrichtenclips von reuters,
cnn und bbc anschauen,
mich über den stand der welt informieren,
ereigniswelten - die welt meiner wahl...
noch sind wir im jetzt,
noch haben sie nicht
orwells sperrklausel gesetzt,
aber lang ist es nicht mehr,
(ich arbeite drum kann ich leben,
was für ein satz)
lass doch mal alle vermeintlich betrogenen
loslaufen und ihr recht einfordern –
mord und todschlag wird es geben –
schrie die unke und packte ihre erfahrung
beim schopf und lachte...
gleich werde ich mir mein buch
über die quantenmechanik
und ihre auswirkung
auf unsere moderne welt reinziehen
und zum wiederholten mal über
schrödingers katze nachdenken,
die in einer kiste hockt und
entweder lebt oder nicht,
wenn ich sie aufmach, die kiste,
so ein scheiß.
bei mir lebt sie immer,
bei mir ist sie vital, weil ich das so will!
versteht Ihr das endlich?
(ich hätte sie nicht reingetan, meine katze,
in schrödingers experiment,
niemals, niemals, niemals!)
ich liebe doch meine katze, was soll das...
so geht die logik dahin
mit einem experiment, das, von in quanten
dahin springenden teilchen abhängt,
die meine wohlige gegenwart befremden
und mir rein experimentell
meine katze bedrohen,
so geht das nicht, Dr. S.!
reinstecken, aussetzen, da liegt sie dann,
die arme logik, im kasten drin.
macht er ihn auf... was ist dann...
ist es dann aus und vorbei mit der logik?
oder verflüchtigt sich alles
was logisch erscheint und ist weg?
doch spaß beiseite:
nachher füttere ich
meine katze und schaue
zum fenster hinaus und
lausche dem wilden spiel der kinder,
den kindern der nachbarn,
und sie werden die sein,
die irgendwann lauschen,
und still werden, wenn’s abend wird...
jetzt schwirren sie aber
wie nicht ortbare teilchen herum,
deren bewegung keiner fesseln kann,
so wie der wind und der duft,
der nicht vorhersehbar ist
und genauso wirr und nicht greifbar ist,
wie der unerklärliche augenblick,
den niemand mathematisch erfassen kann...
(denn die welt ist schrödingers kiste)
wenn im gewölbe dieser welt,
dort, wo es nach leben duftet,
ein klang entsteht...

Gabriele Brunsch

© by Scott Gellatly - Cloud Formation II
Dasein

Und wenn ich in die Welt hin schaue,
fürchte mich und mir wird bang,
und wenn ich dann mich wieder fühle,
fasse mich und nehm mir Mut,
und wenn ich auf der Erde stehe,
strecke mich und mach mich lang,
und wenn ich nach den Tönen lausche,
dehne mich, bin auf der Hut,
und wenn ich nach den Düften rieche,
atme mich auf jeder Spur,
und wenn ich in mir Herzschlag ahne,
im Lebenstakt der einen Uhr...

© by SuMuze

четвртак, 20. март 2008.

Exilgedichte

Exilgedichte

1
Ich atme tief ein.
Die Nacht groß und schweigend
lagert sich ab vor meinem Fenster.
Der Tod schleift die Rasierklinge
erblickt über dem Fensterrahmen.

2
An der Wand eine Spinne getarnt.
Der Tod schleift die Rasierklinge
im Rhythmus ihrer Atmung.

Miroslav B. Dušanić

© by Nikola Dedović
Der Tod und die Rasierklinge

Unbehagen in allen Sehnen
vielleicht ein wenig Scham
vieles lässt sich überreden
zertreten lang
geschliffen leis.

© by Fabian Tietz

*************************************************
Am Fensterkreuz
am Abend
Sonne ließ es scheinen
hing diesmal
Jesus nicht

© by SuMuze

субота, 9. фебруар 2008.

петак, 25. јануар 2008.

Miroslav B. Dušanić: Und doch...

und doch...

„die dichtung auf zungen“
verzehrt mich

sieh nur:

gestorben sind die küsse
und niemand ist da
ringsum nur worthaufen
liegen in der luft

Miroslav B. Dušanić


© by Danilo Vuksanović


bin in den mauern
war da immer
trocken
in haut
die sich
wie einsamkeit
an seiner reibt


© by SuMuze

субота, 1. децембар 2007.

[ alter ]

Phoenix Rising © by Carolyn Salas

[ alter ]

die sache mit dem ändern sagt sich leicht

aber wie ändere ich mich
und
den angesammelten staub in meinen gehirnzellen

die uhr tickt
die zeit ver- und entgeht

immer weniger kraft
die fähigkeit des phönix fehlt

ah
so gern hätte ich mich
in ein ganz funktionsfähiges stück gebracht
poliert
geölt
für „schöne neue welt“

Miroslav B. Dušanić

недеља, 4. новембар 2007.

Miroslav B. Dušanić: Alltäglich politisch

George Grosz: Wo Aufklärung ist - beginnt der Fortschritt, um 1930

alltäglich politisch

in noblen Kneipen
trinken Demokraten und Linken
führen ernsthafte Gespräche
über eine neue Welt
und irren

in einem Forum
malen die Liberalen
das Bild des Zukunftsmannes
im Rausch und Rauch der Zigarren
erstarren die Gemälde

in Sternhoteldebatten
christlich-konservative Kräfte
verlangen nach Moral
befürchten Zerfall
der altbewährten Werte

die Nationalisten
vergleichen Listen
suchend nach einem Mann
der Wunder bringt
und alles kann*

Miroslav B. Dušanić

*welche Themen kauen Grüne
wird später gegeben
weil sie einzeln in den Bergen
in dem Dschungel auf Seefahrten
und Safaritouren leben

среда, 17. октобар 2007.

Vernetzte Kommentare

© by Pamela Harris

anfragen an elsa rieger

wer wartet auf godot
auf dieses
und das andere leben

wer faltet sich aus

warst du

bist du

wirst du alle narben
der vergangenen tage
und nächte
wieder durchleiden

Miroslav B. Dušanić
____________________________________

ich warte nicht –
ich lebe und das
mit allem
was ich bin

und jede zelle meines fleisches
funkelt in freude und schmerz

Elsa Rieger

© by Pamela Harris

und wäre alles liebe

und deine träume
mich rufend
nicht nur deine
stimme

und deine haut
und viel besser
noch
dein herz

nun umsonst mein
traum
vor mir liegt
nur die leere

Miroslav B. Dušanić

субота, 6. октобар 2007.

Miroslav B. Dušanić: Zwei verspätete kommentare

Andre Derain: Suburb of Colloure (1905)
zwei verspätete kommentare
(für f. t.)

1.
du bist nicht mehr da
der raum geruchleer
und atmen
bedeutet nichts

2.
und wieder: ergießt sich farbe
anderswo als in deinem bett

ich kann sie nicht bewahren

es gibt andere dinge
zu bereden
als herbst in hildesheim

Miroslav B. Dušanić

____________________________________________
Anmerkung:
 
Es ist leicht, gut zu sein, wenn man nicht verliebt ist.
Cesare Pavese

субота, 18. август 2007.

Miroslav B. Dušanić: Fabian Tietz in Berlin


fabian tietz in berlin

pflaster um pflaster
und weiter
nichts
oder doch -

es bleibt immer
etwas:

ein hund
ort
wort

und wunden
wenn es
dunkel wird

Miroslav B. Dušanić

четвртак, 16. август 2007.

Miroslav B. Dušanić: Alles hat seinen Anfang in der Familie

Charlotte Lotte Reiniger
alles hat seinen anfang in der familie:
takt des blutes
improvisierte verse der alterszeit
die langsamkeit der seligen trancen
die synchronen handbewegungen

alles hat seinen anfang
die bäume wurzeln auf der erde
wasserdämpfe sprühen aus allen düsen
und das leben auf der großen weltbühne
rauscht vorbei

Miroslav B. Dušanić

петак, 10. август 2007.

Miroslav B. Dušanić: Für Kathrin

Мирослав Б. Душанић
für kathrin

so sollten doch aus deiner
ruhevollen kraft die worte
wachsen

zartfühlend schwebend
in deinem blut
dass du sie leidenschaftlich liebst

auch in wilder dämmerung
hier am strand

an diesem sandigen strand
der auf meiner brust verborgen
lastet

Miroslav B. Dušanić

петак, 13. април 2007.

Miroslav B. Dušanić: Heute

© by Carlos Pedro - Fado

Heute

heute un-überwindbare dinge passierten
ich las eine geschichte und vieles andere mehr
suchte eine stimme - so andächtig
wie nur ein irrlicht sein kann

... das glück dieses tages besang ich
es tat mir nicht leid darum
ich las eine geschichte und fand: alles in allem
- einfache dinge... un-überwindbare dinge
und trotzdem schön

Miroslav B. Dušanić
/- als kommentar: oliver jung - "[heute (der glückliche tag">“ /

четвртак, 28. децембар 2006.

Antwort auf meine „Exiltexte“


Antwort auf meine „Exiltexte“

...sehr gelungene und liebevoll geschriebene Auseinandersetzung mit dem Thema „@miro - also ich, Exil und Heimat“ bzw. „Exil, Einsamkeit und Heimatsuche“ (in der Literatur), aus der Feder der Wiener-Autorin Elsa Rieger:


Für meinen Freund M. aus H.:


exil

fremd bleibt land und die
stadt deiner wahl
– ungewollt –
birgt nichts an erinnerung

wurzellos tragen die füsse
dich durch gassen – echo
klingt hohl aus grauen
mauern und auch rennen hilft nicht

stunden am bahnhof vom heim-
reisen träumen – eine whiskyflasche im
mantelsack neben der faust

raufst dein haar tief in die nassen
augen – jemand wirft eine münze
während du versinkst im
boden bleibt fremd

Elsa Rieger


heimat

komm – lass mich freund sein
ein stück wurzel in deiner fremdheit
die nur langsam näher wird

hart rollt deine zunge mutterlose
sprache – fühlst betrug in jeglichem wort
wenn es wohlgeformt die lippen

überquert – verlierst ursprung
angst zu vergessen – wer du bist

ich nehme deine hand
weg vom bahnhof – komm

Elsa Rieger

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