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петак, 24. јул 2015.

Gabriele Brunsch: .

.

für die kraft der neuen erinnerung
suche ich das vergessen...

für die tiefe des blauen himmels
lösche ich das anthrazit...

für die rotation der gefühle
öffne ich meine hände...

für die nähe der milchstraße
schließe ich meine augen...

für den rausch der liebe
spiegle ich dein lächeln...

Gabriele Brunsch



Photos: Miroslav B. Dušanić

среда, 11. јун 2014.

Gabriele Brunsch: Es wird erzählt

Мирослав Б. Душанић
es wird erzählt

dass einige überlebt haben
und fett geworden sind,
weil ihnen die Gegenwart
gutgesinnt mit Freunden
fein säuberlich Feines versprach
und verspricht...
so ist das, wenn Vergangenheit
sich in das JETZT schleicht,
so simpel!
Sie lächeln uns zu
die Friedenslebendigen,
diejenigen, die kaschieren,
die Vergessen suchen,
diejenigen, die nicht erinnern wollen,
diejenigen, die Vergessen brauchen,
um überleben zu dürfen...
Hei, ist das nicht ein Fest?
Wir sind uns bewusst,
dass sie/er/sie wissen,
dass er/sie sich nach wie vor
durch die LEBEN im Unterbewussten
Vieler schleichen,
durch ihre TRÄUME!
Sie ahnen,
dass wir/ihr/ich uns bewusst sind,
dass sie noch da sind,
irgendwo,
mit der kleinen verrutschten
Fliege aus Samt, am Revers!!!
Und 80 % der Betrachter
wissen um ihn/sie, aber hoffen,
dass sich alles heimlich verschleicht,
dass sie sich hochangeln an seiner /ihrer Kraft...
solange sie sich erweist, mächtig,
in der geschenkten, begnadeten Zeit des Jetzt!!!
Denn immer hat sich der Mächtige als Dauerhaft
erwiesen, so hoffen sie!
Und wir, die wir hinschauen?
Die wir erzittern, ohnmächtig?
Wir, die Leisen, die Wortohnmächigen,
ersterben unter dem Lärm der Gegenwart!

Gabriele Brunsch


Мирослав Б. Душанић

уторак, 18. фебруар 2014.

Gabriele Brunsch: Dido und Aeneas


Die alte Geschichte der phönizischen Königstochter Dido und des Halbgottes Aeneas lebt in Gabriele Brunschs ‚Dido und Aeneas‘ auf: Vergils Fassung ergänzte sie durch Ovids Metamorphosen und schuf ein neues Ganzes. Die mythischen Personen erlangen lebendige Aktualität und machen das Schicksal der beiden Liebenden in unserer Zeit nachempfindbar. Farbenfrohe Illustrationen unterstreichen den Text mit ansprechenden Darstellungen der Szenen. 

ISBN: 978-3-89754-449-9

недеља, 16. јун 2013.

Мирослав Б. Душанић: Повлачим се...

Мирослав Б. Душанић

Губим потребу да било шта кажем,
повлачим се у моју библиотеку.
Да будем сјенка у царству тишине,
а не тумач, овом нашем вијеку.

Досадила дневна бука, трчкарања,
бескорисна бдијења као на стражи.
Осјећам, како ми се тијело сасвим
заморило, а и душа спокој тражи. 

Мирослав Б. Душанић

Мирослав Б. Душанић

«Против глупости — говорили су још Грци — боре се и сами богови узалуд. А како се борити против полутанства, баналности, фразерства и смелости незнања? Лако је незналицама фразирати: терет знања, сумње, самокритике и проблема не лежи на њиховим леђима тешким бременом, они су кадри да напишу све, без икаквог зазора, јер их није срамота ни сировог незнања, ни тужних, сумњивих баналности ни очајних општих места.»

Станислав Винавер

 
Nein, wir verlieren nicht
die Notwendigkeit etwas zu sagen!
Wir machen nur eine Pause!
Wir verspüren gerade keine Lust
uns in die Menge zu werfen.
Ach, wie schön ist der Rückzug
in die Bibliothek, dorthin,
wo die Schätze stehen,
die lang vernachlässigten,
diejenigen, von denen wir
Morgentau und Sphärenmusik schöpfen konnten,
die uns Hilfe und Nahrung,
Licht und Schatten
gleichzeitig waren,
die niemals still waren,
die uns lockten und verführten,
die uns dorthin entführten,
wo die Fantasie spazierte,
lang, lang bevor uns die Welt regierte,
regierte, regierte, regierte,
malträtierte, zerschmetterte, zerschlug,
uns die zarten Bänder aus den Banden schnitt...
dort wo ich litt... dort wo man litt...

Wir sind der Wachmann
unserer eignen kläglich hergezerrten Zeit.
Lass andre rasseln, lass sie lärmen.
Nichts geht ein Stückchen, ach,
nichts geht ein Stückchen weit.

Sind sie nicht gnädig
diese endlos schönen Stunden,
in denen wir ein Wort,
ein kleines Wort gefunden,
das unsre kleine Welt beschreibt.

So wen’ge Worte wiegen, haben Wert.
Die Pause hat der Himmel uns geschickt,
die Worte stehen grade, unversehrt,
wohin auch immer unser Auge blickt,
sie stehen da, die Worte, unverrückt.
Und wenn die Zeit
sich an der Zeiten Wende machte,
(verzeih mir Freund, ich weiß, der Reim er klemmt),
doch leider, als das Knirschen heftig krachte,
hätt ich am Tiefpunkt einfach nur gelacht,
ich hielte inne, wär nichts als verzückt,
dein Lächeln träfe, 
träfe nur mein blasses Wesen,
wie schön, uns ist ein Coup geglückt...
verbunden ist sie, ist die schöne Zeit,
im Hier und Jetzt, und mit der Ewigkeit.

Gabriele Brunsch

среда, 2. јануар 2013.

Gabriele Brunsch: ...als mir ein liebstes starb,



...als mir ein liebstes starb,
schwebten mir
tröstende gedichte ins haus
in allen formen,
auf getrockneten blättern geschrieben,
auf handgeschöpftem papier,
auf karten, in büchlein gedruckt,
mit bildern, gemälden und fotos,
von im wind sich wiegendem getreide,
von flüchtigen wolkengebilden,
die der unendlichkeit zustreben.
in allen zeilen war ein leises mahnen,
dass ich nicht verzagen solle,
weil er in allen zweigen sei,
in jedem wispern der gräser,
in jedem bewegten bild,
in jedem stillen augenblick,
in jedem murmeln des baches,
in jedem vogelgesang,
in jedem luftigen hauch,
weil er in allen dingen sei,
aus allen dingen zu mir spreche,
jetzt und immer, und immer dann,
wenn mich die sehnsucht übermanne,
wenn traurigkeit mich zu ermatten drohe,
dann solle ich nur hineinlauschen,
und alles sei gut.

so lächelte ich und dachte,
dass alle vormals gegangenen
dann auch in allen dingen seien,
und aus allen dingen zu mir sprechen,
und dass auch ich einmal,
in allen dingen wäre,
und aus allen dingen spräche,
zu denen, die hineinlauschen,
die dieser überbordenden,
klangreichen sprachen mächtig,
meine gedanken, mein ich und mein leben,
entschlüsseln und ihren gehalt
aus dem wind und den wolken saugen,
aus dem säuseln und raunen,
murmeln und flüstern
der felder und wälder,
dem sinken des blattes im herbst,
dem flug des schwans,
der sich mit majestätischem schwingen
als weißer strich
zwischen blau und braungrün verliert.

was aber ist,
wenn du lauschst
und ein toben und tosen
durchfackelt den himmel,
wenn ein orkan dich betäubt,
alles was heil und gesund
in fetzen zerreißt
mit stürmischer macht,
wenn im grauen vereint,
wasser und eis,
feuer und fels,
niedergehn mit getöse
und die erde erzittert?

sind das dann schreie?
ist es das höllische kreischen
all jener kläglichen wesen,
welche geschändet, geknechtet,
gequält, gefoltert, getötet wurden,
oder einsam verhungert, erfroren,
ausgesetzt dem elend,
gnadenloser willkür und herrischer macht
eines von mordlust besessenen schicksals?

stießen sie mit dem atemzug, dem letzten,
einen fluch, eine botschaft der qual
in die luft, die sich zusammenbraut,
wenn die wetter sich ballen,
der boden bebt, lawinen rollen,
und die gewalten uns lächerlich
machen, uns, die noch leben,
und zittern vor der erkenntnis.

© by Gabriele Brunsch 2012

четвртак, 16. август 2012.

Gabriele Brunsch: Schnittpunkte

«Ich versuche: die hörbaren, akustischen Schnittpunkte sichtbar zu machen, das Ineinanderfließen an den Schnittpunkten zu bündeln; in der Weite kosmischen Seins Ursprünge zu entdecken, in der Analyse Zusammenhänge, in den Zusammenhängen das Detail.»

Leo Königsberg

© by Leo Königsberg: Ohne Titel (Mischtechnik auf Leinen)

schnittpunkte

so nimmt mich die sehnsucht mit
in die spuren des einstigen lebens,
eingeschnitten in das holz meiner tage.
wenn die nachtstunde kommt,
tasten sich meine finger blutig.

ich hadere immer von neuem
an den verdammten schnittpunkten:
was wäre gewesen wenn...
doch ich weiß, nichts rettet die stunde,
nichts, als das gebet für den mörder.

© by Gabriele Brunsch

среда, 27. јун 2012.

Miroslav B. Dušanić: Blindtext

© by Gunnar Reichwaldt

Blindtext

blindtext blindtext

blindtext blindtext blindtext


blindtext blindtext blindtext blindtext


blindtext blindtext blindtext blindtext blindtext


blindtext blindtext blindtext blindtext blindtext blindtext.

Miroslav B. Dušanić


© by Gunnar Reichwaldt
 
...ein Wortturmbau...
...babylonische Wortleere...
....gigantisches Aussagenichts....
.....und doch beredter als tausend Zungen..... 

© by gabriele brunsch

четвртак, 7. јун 2012.

Gabriele Brunsch: Zustandsbeschreibung & Bernhard Albrecht: Niemandskleid

© by shime02: Zaplanje
zustandsbeschreibung

es sind die erkenntnisse
im zwangsbefristeten raum
die uns beschweren
die wir, von scham erfüllt,
nur stammelnd
einander gestehen.
wie sind wir doch roh, so roh,
blutig-gekratzt,
bis auf die knochenhaut der seele.

gottlos geworden –

kläglich steh ich im niemandskleid
aus zerrupftem krähengefieder
(erinnerungsfetzen verblassender filmschnitte,
nicht mehr zu ertastender lebens-ich-sequenzen -
was hat sich alles dazwischengeschoben,
hat mich von mir selbst entfernt)
und weinen nützt nichts mehr.

schreien vielleicht…
draußen im wald!
doch der ist fremd,
ist nicht heimatlich.

gäbe es denn trost im heimatlichen wald?
dort, wo wir den kuckuck hörten,
den ersten, den der vater bewertete:
frühling ist’s, darfst barfuß gehen, kind, jetzt!

wer war damals gott?
war es der vater, die mutter, die luft,
das über-drüber-ideen-stoff-gebilde
aus vertrauen und liebe,
froh, lichthell, bezaubert, so stark,
dass es die zukunft fühlte,
bei jedem schritt,
barfüßig selbst zukunft war.

das innere und äußere jetzt,
geschrumpfte dimensionen
sich stetig weiter verengend.
atmend ein zeit-surrogat.

Gabriele Brunsch

Copyright Alle Rechte vorbehalten von wild goos
Niemandskleid

Blind tastend bewegst Du Dich
durch das Nebelmeer,
der Bodenlosigkeit ausgeliefert,
angstvoll den Atem innehaltend.

Du spürst von innen die Hände,
die an Deinem Niemandskleid weben,
weisst aus unerklärlicher Zielsicherheit
mit erschreckender Klarsicht,
dass in Dir allein der Angelpunkt liegt,
durch den das Blatt der Entscheidung
sich wenden lässt.

Wirst Du die innere Not aufheben,
erwachend im Ich - Dir mutig Weisung geben?!

...

Bernhard Albrecht, 06.06.2012

четвртак, 31. мај 2012.

Im Spiegel - eine freundliche Übertragung


…Das Un-Gedicht von der Unmöglichkeit…

...was muss ich alles erleben!
ach, könnt ich mit einer spitzen schere
die grauen gedanken wie wertlose tücher
ratsch! in der mitte durchschneiden,
die fetzen zum putzen verwenden
und im glanz der frischen sauberkeit
in meinen tag tanzen...
ach, könnt ich’s doch, könnt ich’s...

Gabriele Brunsch


…was muss ich alles erleben!

immer mehr verstricke ich mich
in die lyrikwelt
und in den worten halt suchend
verliere ich die wahren freunde
die deutschsprechenden
die muttersprachesprechenden
die anderssprechenden

und immer mehr plagen mich
die grauen gedanken…

Miroslav B. Dušanić


Schau hin*

Du bist es,
der im Wortschaffen
sich findet -
du bist es,
schau hin!

Kein Verlieren,
ein Finden
in Tätigkeit -
schau hin!

Die Gedanken -
sie lichten sich
und dem Phönix gleich
stehst Du auf,
Dir zu lächelnd.

© by Bernhard Albrecht, 30.05.2012
* für Miroslav B. Dušanić

среда, 9. мај 2012.

Ein Strahlen und eine Beruhigung

.

du bist ein prinz, ein zeitlos lichtes wesen,
durchlebst die see, in sturmzerfetzter dunkler zeit,
von spiegel-glänzend laub dein kleid
durch dich kann ich genesen.
du bist der h o f f n u n g s s c h i m m e r,
der unerschrocken heftig immer
sich aus erinnerungen perlend neu gebiert
wenn schmerz kommt, leiden wieder lastet,
sich strahlend hell nach oben tastet
und niemals sich ins niemals-nicht verliert...

.

Gabriele Brunsch


Stark, all deine klangkraft als dichter.
ja, Du weißt, wie’s gemacht wird:
der knoten zieht sich zusammen,
alles ist in der schlinge –
die schlichte rede- und denkweise,
die seefahrt und astralreise –
kein aufdröseln ist mehr möglich,
kein durchhauen…
und immer ein paar schritte näher,
ein paar schritte voran
im feuer des eigenen gewissens.

all das fließt unmerklich und 
blitzartig – die geister auf dem gange
lassen sich nicht durchschauen...
und das chaos drängt empor ans licht:
„j e   m e h r   m a n   s c h ö p f t,
d e s t o  m e h r   b l e i b t  z u r ü c k.“*
… und wie oft stimmt das gar nicht,
und die kunst geht voran.
mir ist, ich bin selber D e i n  g e d i c h t.

Miroslav B. Dušanić

* Marina Zwetajewa: Ein gefangener Geist

недеља, 29. април 2012.

Miroslav B. Dušanić: Des Schweigens Stechen

© by Eklipse: Wenn das Schweigen schreit
Des Schweigens Stechen

In der Ferne

So entsetzlich, so kompliziert des Gehirns Mechanismus.
Im Jahr 1993 in einem Dorf in Bosnien,
Leichen mit durchgeschnittenen Kehlen entdeckt.
Auch die erschossenen Tiere.
Ringsum nichts als Schweigen.

Im Garten

Im Auf und Ab —
Brennend vor Schmerz, ich fühle des Opfers Zittern.
(Wie lange mich dieser Irrtum hält?)
Ein neuer Tag einbricht, mit seinen Geheimnissen.
Ringsum nichts als Schweigen.

Miroslav B. Dušanić


hier und dort

...das grauen nicht begreifend,
wälzen die nacht-und-tag-träume
die bilder um in meinem kopf,
nichts schwächt ab,
nicht verblasst,
nichts kann die gegenwart mildern,
nichts die zeit zerfasern,
nichts der abstand lindern,
nichts nehmen aus meinem kopf,
nichts herauslösen aus meinen gedanken,
nichts kann den film ersetzen,
die rasante bild-show bremsen,
denn der schmerz ist eingemeißelt da,
die fassungslosigkeit würgt die kehle
und das bewusstsein,
dass mörder lächelnd ins warme abendlicht
getaucht gemütlich ihr pfeiffchen rauchen
und über die wiesen schauen und sich
abwenden, als wär nichts gewesen....

четвртак, 17. новембар 2011.

Ich, Literaturfreundin und E. M. Cioran

Hamburg, Rowohlt, 1953
Die Zeit formt mich; vergebens setze ich mich zur Wehr - ich bin. Meine von mir nicht herbeigewünschte Gegenwart entfaltet sich, entfaltet mich. Ich kan sie nicht kommandieren, also kommentiere ich sie; ein Sklave meiner Gedanken, spiele ich mit ihnen - wie ein Hofnarr des Schicksals ...

E. M. Cioran: Lehre vom Zerfall


for miro:

... as children we receive pictures, sounds and scents
and they tell us: look, take, then the world
and it is good ...
will later realize that the picture is spotty,
of a fragrant smell and the sound of nothing but noise ...

but we long for the
"in between"
not after the flawless picture,
but what the eye, nourishes

after the fragrant, the pleasant,
promising, reassuring,
smells of live,

and the sound, which resembles the voice
the mother, perhaps,
or the beloved, the first
said once ...
this hour was nice with you ...

Gabriele Brunsch

Miroslav B. Dušanić

петак, 7. октобар 2011.

Miroslav B. Dušanić: Ob es nicht besser wäre nach Süden aufzubrechen


Ob es nicht besser wäre nach Süden aufzubrechen

Еs gibt keinen Tag, keine Nacht mehr
Es gibt kein Wort in meinem Mund
Ich bin stumm

Als gäbe es nur die Beschränkung
Dieser kalten Wände

Und während meine Hände frieren
Zwischen Verlangen und Begehren
Es drängt mich

Es würgt mich im Norden irgendwas
Zieht in die Schwärze hinüber

Es ist eine Qual ohne Worte
Läuft an und läuft aus
Als wälzen sich die Leichen

Auf meiner Brust und das Herz
Füllt sich mit Toten

Miroslav B. Dušanić


...oh, könnten wir nach süden aufbrechen und dem dunkel entfliehen...

...füllt sich das herz mit toten?
dann lass mich mit dir leiden.

denn auch in meinem wiegen sie schwer,
als müsst es die wände sprengen,
als zögen sie stunde um stunde mich in das dunkel.

noch rieche ich seinen duft,
betörend jung und schön,
noch ist mir der anderen wort im ohr
und streicht mir die hand übers haar.
noch hör ich des nächsten atem so schwer,
wie er röchelt und flüstert: ich sehe das licht.
noch kreischt die ferne durchs telefon:
hör, ich weiß, ich muss sterben, und du?
du lebst weiter, ja du!
noch seh ich die freundin liegen im sarg
am frostkalten tag, elend verreckt,
weil verlassen in tief-schwarzer nacht,
als der krebs sie trieb durch die straßen
und sie fand nicht den weg...
noch hör ich das elende krächzen der nächsten,
die sagt': morgen gehe ich heim, morgen,
da stehe ich auf, morgen!
und stirbt in der nacht.
noch seh ich das lächeln des nachbarn,
der sagte humorvoll: geht’s mir nicht gut?
musste wohl erst liegen und sterben,
um dich vor mir knien zu sehen...

ich weiß, die meinen nimmt mir das leben,
nimmt mir das schicksal, die krankheit, der tod.
nimmt sie und lässt mich allein mit den stimmen,
dem lächeln, dem streicheln, dem röcheln,
dem krächzen, dem gruß, der umarmung, der letzten.
lässt mich allein, sitzen und lauschen.

...und dann spür ich das herz,
da drinnen, wie es sich weitet und schwer wird,
wie es brennt und sich wehrt.
will nicht annehmen, will nicht verstehen,
will nicht den ganz normalen gang dieser leben
um mein gezirkeltes zentrum der welt
gelassen ertragen...

wer nur hat sich das ausgedacht?
wer treibt den motor, der im zickzack
im trudelstrudel die welt torkeln lässt,
das leben verstrickt und zerhackt,
auflöst und trennt, ohne rücksicht,
ohne gnade und ohne verstand?

wer nur....

lausche ich den stimmen,
versuche ich das humorvolle lächeln des einen
mir hervorzuholen, und erfühle
die hand der anderen auf meinem haar...
und glaube inniglich dem, der er sagte,
er sähe licht!

sie lasse ich wachsen, in meinem herzen,
und verschmelzen mit all meiner sehnsucht
nach dem duft des jungen, der voller vergangenheit war,
aber die ganze zukunft
so gänzlich unberührt und weit
vor sich hatte.

und ertaste das blau des himmels
hinter den wolken...

Gabriele Brunsch

уторак, 16. август 2011.

Gabriele Brunsch: Escape

© by Pero Vaslić
escape
(for Miroslav Dusanic)

I hear
the progress of time,
on the rise,
loud sometimes, other times quiet
...
slowly-slowly, limping
contracts are
lightly-jumping, prancing
then hop,
fool me -

.
they bring me a mirror, shattered shards
past scraps
Editor sequences
bright-dark, wild pulses through,
changing quickly - stark picture of the lived
hours.

.
I put my shirt on the body
and feel her cold skin of ice on my
white.
then I open the window ...
and the blue of the sky I'm
final
memory blank
a being of light ...

© by Gabriele Brunsch

понедељак, 13. јун 2011.

Miroslav B. Dušanić: O Hirtin des Wortes

Es gibt Schmerz von einer Art so fein und klar, so tief in das Grundgefühl der Existenz reichend, dass sein Empfinden von einem Hauch Ästhetik durchdrungen ist. Die schmerzvolle Sehnsucht der Melancholie, der Gedanke, einsam in einer gleichgültigen Welt seiner Tage zu fristen, hat eine katharsische Wirkung auf das Bewusstsein, ist man denn stark genug, "Gram und Jammer" in sein Innerstes zu lassen und sie wieder zu überwinden. Mit scharfer Klinge schneidend die Sinne aus ihrer Dumpfheit befreit, gewinnt im Schmerz der Leidende ein Gefühl der Klarheit, eine kalte Nacht der Sinne, in deren Kontrast Triviales, Nichtiges deutlich erkennbar wird. Wie oft saß man schon von Geräuschen und Bildern eingelullt auf dem Sofa, eine Stunde, zwei, um anschließend zu bemerken, dass man dabei im Wesentlichen nichts empfand und statt intensiven Erlebnissen nur ein Gefühl innerer Taubheit gewann? Um sensibler auf das Licht, auf wirkliche Schönheit, zu reagieren, sie in seinem Leben stets zu suchen, tut es Not, sich gelegentlich in Dunkelheit und Pein zu begeben...

© by leere


...lieber miro,

 
während ich der musik von césar franck lausche,
lese ich wieder und wieder das gedicht,
und neue bilder tauchen vor mir auf,
neue facetten der begegnungen,
der erinnerung...

der durchblick durch die raster der zeilenritzen,
wort-satz-klafter,
machen mich straucheln,
so schwer, inhaltlich überbordend,
versuche ich mich am ufergras festzuklammern,
mir das leben zu retten,
am tobenden ufer der zeit...

mit den lippen will ich die melodien ergreifen,
die deine bilder mir summen,
mich verbeißen in ihnen,
dass sie durch mich durch,
gehen vom mund zum ohr zum herzen zur kraft...

dass ich mich hochziehe an ihnen
und mich errette...

(als kenntest du die geheime notierung...
auf handgeschöpftem papier
verewigt)

unauslöschbar...
 

Gabriele Brunsch
 

Postkarte: Christian Mantey
o hirtin des wortes,

wie in einem spiegel sehe ich dich,
in der geisterstunde läufst du durch die wüste,
du weinst, du weinst durch die wüste, du läufst,
dein leiden erblüht aus dem wort, gräbt sich ein
in mein herz…

während ich der musik von césar franck lausche,
denke ich wie viele worte hast du schon beweint,
wie viele klänge auf deinen lippen bezeugt,
wie viele wurden schon gestürzt,
was für unheil aus ihnen kommt in meine verse,
in mein leben, frei, stechend, durchhöhlend,
und vielleicht verrinnt diese stunde nie…

was immer dich lockt, du wirst zu mir kommen,
näher, vielleicht ganz nah,
mit tränen über die wangen,
doch ich gesteh: ich bin weniger mutig,
bin einer von vielen…

schein ist es, was dich verführt
nimm hier, was niemals zurück du mir geben sollst

(als könntest du dich von unrast
und ängsten des lebens
befreien)

in alle ewigkeit

Miroslav B. Dušanić