уторак, 27. мај 2008.

Miroslav B. Dušanić: Notiz eines vergessenen Mannes

Владимир Величковић
Notiz eines vergessenen Mannes

Im Ablauf der Jahre verblassen und verlöschen viele Spuren
befremdlich und geheimnisvoll erscheinen die Geschichten
über Kriege von damals oder verbotene Liebe
und keine Landschaft erinnert sich mehr an meine Schritte

Aber ich will nach Hause zurück zum Anfang
zurück an die Todesfront wo der Atem nach Blut riecht
in die Mondnächte wollen meine vergessenen Wölfe
an die verschneiten Straßen am Heiligabend

Diese verdammte Welt ist nicht mehr Wert
in meinem Zimmer finde ich kein Lebenszeichen
nichts hinterlässt Wunden und Narben

Miroslav B. Dušanić

недеља, 25. мај 2008.

Miroslav B. Dušanić: Am Tag des Heiligen Lukas in Trnovo

© by Vladimir Veličković - corps (tijela)

Am Tag des Heiligen Lukas in Trnovo

The uproar tore through the hearts of men and
echoed throughout heaven and earth.
(from the Baghavad Gita)

An diesem Tag
spürt man den Krieg nicht

Von zahllosen Söldnern vergewaltigt
begegnen sich tote Gesichter in der orthodoxen Kirche
sie beklagen den unermesslichen Schmerz nicht mehr
ihnen kommt kein Wort über die Lippen

...
und die anderen abgestumpft werfen Flammen
und wer weiß wo in der Ferne graben neue Löcher

...
und eben das macht mich menschlich

Miroslav B. Dušanić

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vom 22. bis 25. Mai
Deutschlands größtes Festival für junge Gegenwartsliteratur
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петак, 23. мај 2008.

Miroslav B. Dušanić: Es war

© by Branko Raković - History (Istorija)
Es war

Ein Wort vielleicht
ein Vermächtnis: der Mensch
als Lied vielleicht
ein Traum vielleicht
eine Stimme aus Himmel
als Geheimnis im Babel begraben

Miroslav B. Dušanić
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Branko Raković
Born in 1967. in Beograd. Graduated from the Academy of Fine arts in the class of professor Momcilo Antonovic, Beograd 1991. Member of Serbian artists association since 1992. Teaching at the Academy of Fine arts, Beograd, since 1994.

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четвртак, 22. мај 2008.

David Albahari


Wir sind dafür bestimmt, einsam zu sein. Ohne irgendeine andere Chance. Einsamkeit ist wohl die Essenz unseres Daseins. Ich weiß nicht warum. Aber ich denke, zumindest für Schriftsteller und andere Künstler ist die Einsamkeit das, was sie in Bewegung hält. Man geht zurück in seine Einsamkeit, um sich selbst zu entdecken. Bei diesem Prozess ist man schöpferisch. Ohne Einsamkeit gäbe es keine künstlerische Schöpfung.

David Albahari

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уторак, 20. мај 2008.

Miroslav B. Dušanić: Offenbarung dieser Nacht

© by Rainer F. Stocké
Offenbarung dieser Nacht

Der Feuervogel lässt sich im trügerischen Licht verstummen
und kehrt zur Höhle zurück
Hier wohnt die Stille

Miroslav B. Dušanić
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seiner Intuition folgend
wartet er
lange
...
geduldig

auf ein Licht

das stark genug wäre
die
Dunkelheit
Stille
Einsamkeit
der Höhle zu ertragen

dann jedoch

wäre es an der Zeit
HERAUSZUTRETEN

© by Claudia Jo


:::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::
Rainer F. Stocké

Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab.
- Marc Aurel


Nähern Sie sich meinen Bildern und Symbolen vorsichtig und behutsam. Legen Sie Ihren Alltagsrock ab und öffnen Sie die Türen zum Bild mit Geduld und Ruhe. Sie werden dann viele Eingänge und Möglichkeiten sehen, durch die Sie in meine Bildwelt eintreten und wahrnehmen.
Meine Bilder erzählen Geschichten, sie sind Träume und Wahrheit – sie sind meine Welt, die ich wahrnehme und mitteile.
Meine Geschichten und Träume werden Ihre Träume sein, wenn Sie die richtige Tür zum Bild geöffnet haben – vorsichtig und behutsam. Ich biete Ihnen eine Bühne mit Gedanken an und möchte keine Interpretation vorlegen oder vorgeben.
Ich wünsche mir sehende und wahrnehmende Betrachter, die meine „Gedankenbühne“ als Basis zum Absprung zu den weiten Horizonten der eigenen Vorstellungskraft benutzen.

Rainer F. Stocké (Aus dem Bildband „Traumbilder“, 1986)


Rainer Stocké ist am 6.6.1951 geboren, lebt und arbeitet in Frankenthal/Pfalz und Ramatuelle/Frankreich. Seit 1970 nationale und internationale Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland. Veröffentlichung seiner Arbeiten in zahlreichen Büchern, Bildbänden, Kalen¬dern und Magazinen. Seine künstlerischen Arbeitsschwerpunkte sind Fotografie und Malerei.

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недеља, 18. мај 2008.

Sara Dušanić: Gefangener Geist

© by Eva Reppel
gefangener geist
12

gestern unbeweglich im bett gelegen
geblieben wieder heute und morgen

genau dort wo augenlider vorher erzitterten
waren die augen ganz fest
unter der vorstellung:

in ein kostüm schlüpfen
eine biografie neu erfinden
den irrsinn verlebend und
liebesschwüre in bäume ritzen
schneckenhäuser sammeln
wie früher vierblättrige kleeblätter
zu filigran sie nur abzuzupfen
sogleich in dickes buch gelegt

später - beim lesen und blättern der seiten
sind sie in schoß gefallen
gleichsamt der welken erinnerung

© by Sara Dušanić

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субота, 17. мај 2008.

Miroslav B. Dušanić: Nr. 16

James Lee Byars - “Untitled” (1960)
Nr. 16

Bitter ist meine Zunge
wenn der Tag erstirbt
und die Kälte
zarte Fragmente
ins stumpfe Land
des Schweigens
hineinwirft...

Miroslav B. Dušanić


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Und „vernetzte“ Inspiration
wie so oft bei den Kollegen vorkommt:

und wenn das schweigen
ins land greift
wächst bitterkeit empor
alles zarte verdorrt
vor der stumpfheit
deines blickes
bricht auch die nacht
voller kälte hinweg

kein ganzes bleibt
auf dem weg zurück
in den tag

© by Kathrin M.

Charles Simić: In der Bibliothek

"Mein Ehrgeiz ist die Erschaffung einer Nicht-Gattung aus erzählender Prosa, Autobiografie, Essay, Dichtung und, natürlich, Witz!"


In der Bibliothek

Es gibt ein Buch, das heißt:
Die Enzyklopädie der Engel.
Fünfzig Jahre lang hat es niemand geöffnet.
Das weiß ich genau, denn als ich es aufschlug,
knackte es in den Deckeln, und die Seiten
fielen heraus. Dort entdeckte ich,

dass die Engel einst zahlreich waren
wie die Untertanen der Fliegen.
In der Dämmerung wimmelte
der Himmel von ihnen.
Man musste mit den Armen rudern,
um sie abzuhalten.

Jetzt scheint die Sonne
durch die hohen Fenster.
Die Bibliothek ist ganz still,
Engel & Götter lauern
in dunklen, nie geöffneten Büchern.
Das große Geheimnis steht
auf irgendeinem Regal, und Miss Jones
geht dreimal am Tag daran vorbei.

Sie ist so groß, dass sie den Kopf
immer seitwärts beugt, als lausche sie.
Die Bücher flüstern.
Ich höre nichts, sie aber versteht alles.

Charles Simić

Charles Simić:
Born May 9, 1938, in Belgrade, he is a Serbian-American poet and co-Poetry Editor of the Paris Review. He was appointed the fifteenth Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress in 2007.

After surviving the German bombing and occupation of Belgrade, he escaped Yugoslavia with his mother in 1948 into Austria and France, arriving in the United States in 1954 when he was sixteen. He grew up in Chicago and received his B.A. from New York University. He is professor emeritus of American literature and creative writing at the University of New Hampshire.

Classic Ballroom Dances

Grandmothers who ring the necks
Of chickens; old nuns
With names like Theresa, Marianne,
Who pull schoolboys by the ear;

The intricate steps of pickpockets
Working the crowd of the curious
At the scene of an accident; the slow shuffle
Of the evangelist with a sandwich board;

The hesitation of the early-morning customer
Peeking through the window grille
Of a pawnshop; the weave of a little kid
Who is walking to school with eyes closed;

And the ancient lovers, cheek to cheek,
On the dance floor of the Union Hall,
Where they also hold charity raffles
On rainy Monday nights of an eternal November.


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четвртак, 15. мај 2008.

Miroslav B. Dušanić: Frag(l)Ich

© by Jovanović Ljubiša - Wolf: "Kameni stub" Rajac

Frag(l)Ich

Ich bin ohne Pass
ein unvollkommener
Mann: Dies und Das
irgendeiner fremd
potenzielle Gefahr
für mein Land
unser Land

Ich bin kein Gast-
Arbeiter Tourist
Geschäftsmann...
also: nur eine Last
am Teller-Rand
in meinem Land
unserem Land

Ich bin aus - Länder
ohne Pass bekannt
als Emi Grant: ich hör
öfter leise oder laut-
gesprochenes Raus
aus meinem Land
unserem Land

Ich bin...wer bin ich
frage Dich: warum
so konspirativ
und immer weniger
gibt’s mich
in meinem Land
unserem Land

Ich bin...

Miroslav B. Dušanić
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среда, 14. мај 2008.

Carl Zuckmayer

Deutsches Historisches Museum: Carl Zuckmayer
Elegie von Abschied und Wiederkehr

Ich weiß, ich werde alles wiedersehn.
Und es wird alles ganz verwandelt sein,
Ich werde durch erloschne Städte gehn,
Darin kein Stein mehr auf dem andern Stein -
Und selbst wo noch die alten Steine stehen,
Sind es nicht mehr die altvertrauten Gassen -
Ich weiß, ich werde alles wiedersehn
Und nichts mehr finden, was ich einst verlassen.

Der breite Strom wird noch zum Abend gleiten.
Auch wird der Wind noch durch die Weiden gehn,
Die unberührt in sinkenden Gezeiten
Die stumme Totenwache am Ufer stehn.
Ein Schatten wird an unsre Seite schreiten
Und tiefste Nacht um unsre Schläfen wehn -
Dann mag erschauernd in den Morgen reiten,
Wer lebend schon sein eignes Grab gesehn.

Ich weiß, ich werde zögernd wiederkehren,
wenn kein Verlangen mehr die Schritte treibt.
Entseelt ist unsres Herzens Heimbegehren,
Und was wir brennend suchten, liegt entleibt.
Leid wird zu Flammen, die sich selbst verzehren,
Und nur ein kühler Flug von Asche bleibt -
Bis die Erinnrung über dunklen Meeren
Ihr ewig Zeichen in den Himmel schreibt.

Carl Zuckmayer

Großen Dank an Paul Spinger - Lyrik und Germanistik ! Ich bin beeindruckt, das Gedicht hat viele Empfindungen und Gedanken in mir ausgelöst...
@miro

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уторак, 13. мај 2008.

Miroslav B. Dušanić: Nichts bleibt, nichts lässt sich halten.

© by Vladanović
Nichts bleibt, nichts lässt sich halten.
Martin Auer

Ich bin fremd
für die Nachbarn ein Irgendeiner
und denk an die Gespenster.
Ich lausch in meinem Zimmer
und träum vom Tod.
Ich schreib Texte
und nenn sie Gedichte.
Ich hab unsortierte Erinnerungen
in den Taschen
nach Deutschland gebracht.
Ich bin ärmer um die Gesichter
um die Heimat
und such mir eine Stubenwärme
ein Grab.
Die restlichen Tage sind gezählt.
Ich leide an der Übelkeit
an der Angst und der Atemnot
und würd bald ersticken.

Miroslav B. Dušanić
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понедељак, 12. мај 2008.

Ein Gedicht...


Ein Gedicht...

Ein Gedicht ist ein gefrorener Augenblick,
den jeder Leser für sich wieder ins Fließen,
ins Hier und Jetzt bringt.

Hilde Domin

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Exilgedicht von Hilde Domin


Mit leichtem Gepäck

Gewöhn dich nicht.
Du darfst dich nicht gewöhnen.
Eine Rose ist eine Rose.
Aber ein Heim
ist kein Heim.

Sag dem Schoßhund Gegenstand ab
der dich anwedelt
aus den Schaufenstern.
Er irrt. Du
riechst nicht nach Bleiben.

Ein Löffel ist besser als zwei.
Häng ihn dir um den Hals,
du darfst einen haben,
denn mit der Hand
schöpft sich das Heiße zu schwer.

Es liefe der Zucker dir durch die Finger,
wie der Trost,
wie der Wunsch,
an dem Tag
da er dein wird.

Du darfst einen Löffel haben,
eine Rose,
vielleicht ein Herz
und, vielleicht,
ein Grab.

Hilde Domin

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субота, 10. мај 2008.

Miroslav B. Dušanić: Die Tage welken

Manfred Lindenberger - Dreams and Recollections

Die Tage welken aus allen Wunden.

Miroslav B. Dušanić

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"Hercegovačka Gračanica" in Trebinje - Republika Srpska (Serbische Republik) *Serie 2








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петак, 09. мај 2008.

Miroslav B. Dušanić: Hirtenflöte

Marc Chagall - Grand Parade

Hirtenflöte

Alles, was man tun muss, ist, die richtige Taste
J. S. Bach

Erglühende Wolken tragen mein Flötenlied
im Morgensonnenglutglanz ein Tropfen
Tau von deinen Wangen
nach Quittenbaumblüten duftend

hinab fällt

ins bernsteingelbe Bergland
deines Busens eingeknüpft
in zarten Seidenfäden
ein Sonnenstrahl legt Feuer an

in Blütenzweige

dein traurigerer Blick
ein kleines Liebestempelkuppeldach
brennt zu Aschenstaub
die samtig zarte Pusteblume zerfällt

löst sich in der Luft auf

als ich meine Flöte schmerzvoll
zum Himmel aufhebe
im Morgensonnenglutglanz ein Tropfen
Tau von deinen Wangen

nach Quittenbaumblüten duftend
herüberträgt
den Ostwind ins bernsteingelbe
Bergland deines Busens

Miroslav B. Dušanić

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четвртак, 08. мај 2008.

Oskar Pastior

Verlag: Carl Hanser (1997)
ISBN-10: 3446191267
ISBN-13: 978-3446191266
das gedicht gibt es nicht. es
gibt immer nur dies gedicht das
dich gerade liest. aber weil
du in diesem gedicht siehe oben
sagen kannst das gedicht gibt
es nicht und es gibt immer nur
dies gedicht das dich gerade
liest kann auch das gedicht das
du nicht liest dich lesen und
es dies gedicht hier nur immer
nicht geben. beide du und du
lesen das und dies. duze beide
denn sie lesen dich auch wenn
es dich nicht nur hier gibt

Verlag: Hanser Belletristik (2003)
ISBN-10: 3446202773
ISBN-13: 978-3446202771
das gedicht beginnt merkwürdigerweise mit der letzten zeile in dieser zeile wird behauptet daß diese zeile die letzte zeile des gedichtes sei weil das gedicht aber mit dieser zeile beginnt ist die behauptung dieser zeile nicht ernst oder nicht wörtlich zu nehmen da in einem gedicht aber jede behauptung ernst oder wörtlich zu nehmen ist ist das gedicht entweder kein gedicht oder die behauptung muß ernst oder wörtlich genommen werden das gedicht ist aber ein vorbildliches gedicht es hat nur die eine zeile sein titel einsame LANDSCHAFT


Oskar Pastior
Geb. 1927 in Hermannstadt (Sibiu), Rumänien. Ab 1955 Studium der deutschen Sprache und Literatur in Bukarest. 1968 siedelt Pastior nach Wien, dann nach Berlin über und lebt dort als freier Schriftsteller. Vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Peter-Huchel-Preis (2001) und dem Erich-Fried-Preis (2002).


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PROSANOVA - Literaturfestival in HILDESHEIM


Mit Löwenzahn in der Hand, Bella begrüßt gern und ladet ein
nach Hildesheim:
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vom 22. bis 25. Mai
Deutschlands größtes Festival für junge Gegenwartsliteratur

In Organisation von Sara Dušanić, Studentin der Kulturwissenschaft an Uni Hildesheim, tobte als Vorgeschmack in der Hildesheimer Innenstadt am 26. April frischgebackene aber hervorragende Musikformation „Prosa ist das neue Contra“.

Talentierte Musiker: Mathias Prinz am Kontrabass, Eberhard Gaus an der Gitarre/Mundtrompete und Fabian Tietz an der Trommel und als Vokal machten auf sich und das kommende Festival mit deutschem Liedgut aufmerksam.

Mathias Prinz


Trio In Action
Atmosphäre


Stimmung

Wolfgang-Imre Brunsch: Zweiter Morgen

© by Mirko Šević

Zweiter Morgen

Der Knabe, der suchend
den feuerhellen
Morgenschlaf erwartet,
trifft erschrocken auf den Tod,
der auf grauer Strasse lauert.

Zieht er in die Ferne
mit den flügellosen Wesen,
die in den Wolken tanzen,
oder stirbt er einsam
in Mutters Armen?

Balde der Frauen Klage
an schwarzer Friedhofsmauer hallt,
doch am braunen Erdwurf,
der eines Knaben Leichnam birgt,
ein liebend Mädchen Tränen lacht.

Wolfgang-Imre Brunsch
(1996)

P. S.
Für das gepostete Gedicht richte ich einen herzlichen Dank an LadyArt .
Und hier noch ein geeignetes Zitat von Robert Reich:


„Wie gerne möchte man die Zeit zurückdrehen, das Schlimmste verhindern, Geschichte neu schreiben. Doch bleiben uns nur Fragmente der Vergangenheit – Erinnerungen, an die wir uns mit innigster Sorgfalt klammern, wohl darauf bedacht, sie nicht zu verlieren. Schöne Erinnerungen sind nötig. Sie bieten Trost, Trost für die Erkenntnis, dass der Weg das Ziel ist, und die Möglichkeit nach Rast nicht gewährt wird“.

среда, 07. мај 2008.

понедељак, 05. мај 2008.

Felix Philipp Ingold


Und

jetzt das Leben
tauschen gegen die Gelegenheit.
Ewig ist nur der Beginn.
Rausch kommt wie Sinn und
Donner hinterher. Hier
sind wir herrlich und nie nicht
allein. Noch ehrlicher
der Ruf den jeder hat. Der Name
des Andern.

Felix Philipp Ingold


ISBN-10: 3-905591-97-9
ISBN-13: 978-3905591972
© by Yvonne Böhler


 Felix Philipp Ingold, geboren am 27. Juli 1942 in Basel. Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft, Slawistik, Philosophie und Kunstgeschichte in Basel und Paris.

субота, 03. мај 2008.

Miroslav B. Dušanić: UnZeit


UnZeit 
                       (An meine Freunde)

Bin ohne Zeit und Raum
und rede nicht von den Helden
nicht jetzt
wo mir der Bart schneeweiß
und das Vaterland fremd ist

Aber es gab einen Traum
wie aus dem Ei gepellt:
die unermessliche Sehnsucht
das Wort zu finden
das uns einen Lebenssinn gibt

So wie man ein Kinderbuch öffnet
und liest über die göttliche Liebe
über die Heimat
wo die eine einzige Lampe
für uns alle brennt und ausreicht

So einfach ist es also nicht
davon habe ich mich weit entfernt
und rede nicht mehr:
zwischen geglaubten Märchen
haben sich Winde gelegt

Und Jahre füllen leere Zimmer
der Wohnung in Moltkestraße
mit Staub und Narben
während ich ein Gedicht anfange
das nie fertig wird...

Miroslav B. Dušanić

Ich habe das Gefühl, immer weiter an derselben Geschichte zu schreiben. In der Hoffnung, dass der Leser sich nicht langweilt. Ich glaube, man ist dauerhaft besessen von denselben Motiven und Fragen.
David Albahari

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…eine unvollständige Antwort

Mutig
Mehr noch
Es ist kühn
Das Skalpell
So anzusetzen
An sich selbst
Abzutragen
Schicht um Schicht
Vom Fleisch der Leiden
Aus dem pochenden Herzen
Aus der atmenden Lunge
Geschnitten

Aufrecht
Nein es ist tolldreist
Auf weißem Teller
Ganz ungewürzt
Zu servieren
Das man geneigt ist
Sich Messer und Gabel
Hinein zu stechen in
Augen, Nase und
Ohren - Den Mund aber
Formt zu einem einzigen
Schrei

Ernüchternd
Nein einschüchternd
Dieser Blick
Dieser Bart
Diese Wahrheit
Und würde ich nichts
Gelesen haben
Die Augen
Ihre redendes Schweigen
Ach, ich höre auf
Und sage Miro