четвртак, 23. април 2009.

Gabriele Brunsch: Höllentrip




Höllentrip

So tief ins Mauerwerk
mit dir zu gehen,
die wenigen Schritte
in diese Häuserschlucht,
sie dämmen meinen Mut,
sie hemmen meine Freude,
sie zerstückeln meine Aussicht,
sie stumpfen meine Lust
im Hackmaß des Schrittes,
nur dieser kleine ausgestampfte Pfad,
der keinen Raum für Himmel lässt,
und der Geruch, Geruch nach Enge, nach irgendwas,
zwischen kalkiger Wand, Erdklumpen,
Salpeter und Menschlichem,
und dem Absud von Schweiß
der aus Angst und Elend verkocht, Düsternis,
aussichtsloses gehemmtes Schluchzen,
und Rotz, der an Kinderwangen klebt
und den Tränensäcken,
und der Gicht, die Gelenke aufbläst,
und Schorf und Krätze
und dem verschmutzten Verband
auf schwelenden Wunden
und dem Gewölle von Haaren,
das auffliegt, wenn der Wind
durch die Luken fegt,
und irgendjemand brüllt:
„Ego te absolvo a peccatis tuis in nomine...!“

Pst, Kindchen, komm,
ich träum dir die Welt,
komm, Kindchen, komm,
ich schnalle dir Flügel an den kleinen Leib,
ich hauche dich an und küsse dich fort...

Pst, Kindchen, fliege,
dies ist kein Ort, hier gedeiht nichts,
mach dich davon, der Wind, spürst du,
schon trägt er dich weit,
lasse nicht ab, fliege...

Gabriele Brunsch



Handy-Photos (Nokia 6120 classic): Miroslav B. Dušanić - spurensuche

1 коментар:

schreibtalk је рекао...

Faszinierend!

LG
ELsa