субота, 07. јул 2012.

Adam Zagajewski: Abends

Cracow by Night © by Jaku
Abends

Am späten Abend kamst du in deine Stadt gefahren,
zu den dunklen Straßen, den blinden Flecken der Fenster,
zu der finsteren Stille, den Katzen, die sich unter den Autos
verstecken, zu den schläfrigen Vögeln in den Bäumen,
und weißt noch nicht, ist diese Stadt abwesend,
ist sie die Stadt des Unheils oder der Schatten,
vielleicht ist sie dir böse
oder so gleichgültig,
als gäb es dich überhaupt nicht.
Niemand grüßt dich, niemand hält dich an,
niemand verbietet etwas, bittet um etwas,
die Nachtwächter schlafen ein oder sie sind nach Hause gegangen,
wahrscheinlich blühen die Blumen, doch du siehst sie nicht.
Die Könige schlafen in den Sarkophagen,
die Bischöfe auf den Gemälden, die verlorenen Schlachten
in den Lehrbüchern der Geschichte.
Die Stadt ist offen,
offen ist der Wind und das Zögern;
alles, was geschehen ist,
erwartet dich,
deine Niederlagen haben dich nicht vergessen.
Es ist spät,
das Schweigen kehrt zum Schweigen zurück,
versuche einzuschlafen.

Adam Zagajewski
/Übersetzung: Karl Dedecius/

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