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Nachrichten aus dem Exil

Kein Meer lag uns zu Füßen,
im Gegenteil, wir sind ihm
mit knapper Not entgangen, als
uns - kein Unglück, sagt man, kommt allein -
der stählerne Himmel ans Herz fesselte.


Umsonst haben wir an den Schädelstätten
um unsere Mütter geweint,
und tote Kinder mit Mandelblüten bedeckt.
sie zu wärmen im Schlaf, dem langen.


In schwarzen Nächten sät man uns aus
um dann, in den Morgenstunden,
die Erde von uns Nachgeborenen leerzufegen.


Noch im Schlaf such' ich Dir Wildkraut und Minze;
Fall ab, Auge, sage ich zu Dir,
und daß Du nie in ihre Gesichter sehen sollst,
wenn ihre Hände zu Stein werden.


Darum das Wildkraut, die Minze.
Sie liegen Dir still auf der Stirn,
wenn die Mäher kommen. 


Mariella Mehr  
(Für alle Roma, Sinti und Jenischen, für alle Jüdinnen und Juden, für die Ermordeten von gestern und die von morgen.)
ISBN: 3-85435-296-4

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