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ISBN: 978-3854354307 
Phantomschmerz

Ich war aufgewacht, doch hätte ich nicht gerade
schwören mögen, dass ich wach war.

Über dem Bett eine Zigeunerin in Schwarz,
mit ihrer rauhen Hand streicht sie über meinen Bauch,
bricht Lehmbrocken ab,
vertreut sie in alle vier Winde.

Knüpft mir die Nabelschnur auf,
nähert ihre Lippen, saugt grünen Schleim,
Blut von Tieren und Pflanzen, die mir Nahrung waren.

Schneidet mir den Schluck in der Kehle ab,
Erleichterung tritt ein.

Warum will es mir nicht einfallen, wer ist diese Frau,
die still vor sich hin murmelt,
die noch kein menschliches Ohr vernommen
und die verstummt,
noch bevor ihr Mund
einen Laut gebiert?

Jovan Nikolić


Fantomiskeri duk

Me upre uschtijom, ham akan menik naschtig
armaja tschitschomahi, hot me upre som.

Pedar o vodro jek Zigeunerin ando kalipe,
pre raui vaha pedar mro per kosel,
luamakere gruschi tel phagel,
hintinel len ando cile schtar bavla.

Gombolinel mange i pupakeri dorik upre,
pasche tschil pre voschtscha, pil seleno tschungaripe,
rat le marhendar taj flaunslinendar, save mange habe sina.

Tschinen mange o schluk ande mro kelo tel,
lokaripe al.

Soske na kamla mange and te perel, ko hi aja dschuvli,
savi loke angle peste angle vakerel,
sava meg nisaj manuschengero kan esbe lija
taj savi nemali ol,
meg angloda lakero muj
jek alav ol?

Jovan Nikolić


Alfred Ullrich: Reflexionen zu Jovan Nikolic „Zimmer und Rad“ I
Alfred Ullrich: Reflexionen zu Jovan Nikolic „Zimmer und Rad" V
Alfred Ullrich: Reflexionen zu Jovan Nikolic „Zimmer und Rad" VI
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