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недеља, 25. фебруар 2007.

Miroslav B. Dušanić: Und dieser Text

© by Hélène Terlien (Helene Terlien)
Und dieser Text: er blieb verborgen
und glühte umher ortlos
er flog aus unserem Jahrhundert
in eine fremde Sprache
die nie jemand sprach
und beschrieb eine Liebe
die es nicht gab

Und natürlich rührte mich stärker
als alle Tragödien des Theaters
die ich jemals sah

Miroslav B. Dušanić

субота, 10. фебруар 2007.

Miroslav B. Dušanić: Ob sie mich liebt


Ob sie mich liebt

Je lauter Winde plagen
desto schwärzer türmen sich
dunkle Wolken

Klammere mich an ihren Mund
und er ruht — nichts anderes
als die Antwort

Auf ihren Lippen finden — selbst
wenn ich mich stets beschwere:

Ich will keine Antwort
Ich will nichts

Traurig sind meine Worte
so im Herbst die Tage sind

Miroslav B. Dušanić

среда, 7. фебруар 2007.

Miroslav B. Dušanić: ***


***

In deiner Sprache die Welt
im tollen Toben — abends
da bin ich
auch zu Hause

verreckt in Giftgischt
von Behemoths Mund

Miroslav B. Dušanić

субота, 27. јануар 2007.

Miroslav B. Dušanić: Fragen an Theodor Kramer

Das Getier erstickt den stillen Schrei © by Viktoria Weihman - Vicky
Fragen an Theodor Kramer

wer läutet draußen
an der tür — nichts gibt es hier
nur ich — ohne
jeglichen grund müde
/wollte schlafen gehen/

wer ist da — was fehlt ihm
birgt er einen zauber
wenn mich jetzt das schicksal trifft
wer bin ich dann — wofür wäre
meine seligkeit verspielt

Miroslav B. Dušanić

понедељак, 15. јануар 2007.

Miroslav B. Dušanić: Wo bleibt das wärmende Licht

Irritation in Rot © by Viktoria Weihmann - Vicky
wo bleibt das wärmende Licht
oh gierige rote Viper

getrieben von eisigen Winden
krieche ich auf brüchigem Eis
schweigend

frierend in meinen Händen
dein Gemüt scheint wie jener Frost
wartend

streck mir deine Hand
in dieser felsigen Landschaft

streichle meinen Körper
erlöse mich von dieser Qual

Miroslav B. Dušanić
/ im Gedenken an den Lyriker Georg Heym, der 1912 auf der Havel auf tragische Weise ums Leben kam /

петак, 12. јануар 2007.

Miroslav B. Dušanić: Lebens Auffassung - Brief an Thomas Schulz

Thomas Schulz bei der Lesung in Erding © by Heinz Kurt Rinteln
Lebens Auffassung  — Brief an Thomas Schulz

ich träumte: der zug fährt nicht weiter
hin zu der morgenröte

bei ankündigung der endstation
sisyphos — nicht älter als du —
wird kurzatmig

aus liebe
hole ich keine hilfe ein

jedoch heute — um wiedergutzumachen —
trage ich zum grabe seinen stein

Miroslav B. Dušanić

Thomas Schulz sagt von sich: „Mit meinen Texten gehe ich Schritte auf mich selbst zu. Das Schreiben begann, als ich spürte, wie weit ich von mir entfernt war. Wie wenig ich von meinen eigenen Wünschen, meiner Empfindlichkeit und dem wusste, was ich wollte.“
 


Quittung

Wer
das Herz
und
die Seele
zur Schau stellt

muss

damit rechnen,
dass sie mit

Wortdolchen

durchbohrt
werden.

© by Thomas Schulz

субота, 30. децембар 2006.

Miroslav B. Dušanić: Ein Brief an Anton Potche


Ein Brief an Anton Potche

Ich würde sagen:

Das Exil befördert den Tod
und nicht nur —

Wer fortgeht — schiebt sich
in einen vagen Himmel

Tief in ihm brütet
seine Lyrik —

Und dann plötzlich
ein goldenes Schweigen

Miroslav B. Dušanić

петак, 22. децембар 2006.

Miroslav B. Dušanić: Der erste Brief an Frau Soare

© by Eldor Gemst
Der erste Brief an Frau Soare

/ so viele blühende ufer
am fenster
/

in wie vielen häusern
treibst du — teuere
so zart
und unbemerkt

von deinem zauber
tausende klöster schlafen

in dem alten wald
verbirgst du
von den jahrhunderten paläste

du — herrscher
aller welten-schatten

du schwimmst in den strahl
luftig — wach

du inspirierst träumende
und genies

eroberst einsamkeit des meeres
unter der nacht

Miroslav B. Dušanić

среда, 20. децембар 2006.

Miroslav B. Dušanić: Herbst


Herbst

bedrohlich weht kühler wind
birkenblätter zittern
der tag jäh beleuchtet
verlöscht in trüber morgen-
dämmerung

Miroslav B. Dušanić

"Jahrbuch für das neue Gedicht" / Miroslav B. Dušanić: Und unendlich Ich


Verlag der Brentano-Gesellschaft Frankfurt/M. 2007
Und unendlich Ich

ob ich verreise aus dieser stadt
mit dem wirbel mitnehme
die glutäugigen blicke all dieser frauen

vielleicht unter blitzen und donner
frische venusmuscheln bestelle
je mehr desto salziger mein mund

stürmisch zum bahnhof walze
zwischen den häusern vereinsamt

ob ich verbleibe in diesem ort
wie ein ausrangierter sessel
die sperrmüllmänner erwartend

vielleicht noch einen brief schreibe
sitze in der ecke
mit einem hier-bin-ich-noch-blick

haltlos eine frau umarme
und tanze tief in die nacht

Miroslav B. Dušanić

понедељак, 18. децембар 2006.

Miroslav B. Dušanić: Die Geigen schreien


Die Geigen schreien
bis unsere Augen ineinander
sinken — Die Zeit

allüberall auf Erden / die
zu uns gehört /
im dämmergrünen Gang
der Pappeln
öffnet ihre Kelche

Bald in die ferne Weite
erklingt der letzte Schrei

Miroslav B. Dušanić