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субота, 10. децембар 2011.

Маркус Брајдених (Markus Breidenich): Онеир

© by Andrew Ogus: The Oneiroi
Онеир*

Све је неприступачно. Влати траве
препречавају пут. Послије олује
облаци су разбарушени. И ноћи
између поља покидане.

Такође кров изнад мог кревета
је откривен. Ласте лете
испод греда. На каменим
плочама у дворишту уклесавам

умируће дане моје мачке. Остављам
мале сјенке испод пукотина.
Киша пада по мојој софи. Између
ситница мог писаћег стола расте дјетелина.

Маркус Брајдених

/Препјевао: Мирослав Б. Душанић/

* онеири су у грчкој митологији демони сна

петак, 9. децембар 2011.

Oneiros

© by Jacopo Vecchio: Oneiros
Oneiros

Alles ist unumgänglich. Grashalme
versperren den Weg. Nach dem Sturm
sind die Wolken zerzaust. Und die
Nähte zwischen den Feldern gerissen.

Auch das Dach über meinem Bett ist
abgedeckt. Schwalben fliegen
unter den Balken. Auf die
losen Pflastersteine im Hof ritze ich

Sterbetage meiner Katzen. Ich
werfe kleine Schatten unter die Fugen.
Regen fällt über mein Sofa. Zwischen den
Überresten meines Schreibtisches wächst Klee.

Markus Breidenich

четвртак, 22. септембар 2011.

Markus Breidenich: Natura morta

© by Herbert Fidler: natura morta (aufgenommen mit dem motorola-handy), 2006
Natura morta

In den Schweigesekunden gegen acht.
Der letzte Werbeblock vor Mondaufgang,
der als Amselgezwitscher in die Geschichte
eingeht. Seine Message. Eine Blaupause
der Dunkelheit. Investiere in Taglicht und
du wirst sehen. Hinter den Schachtelhalmen.
Die Dividenden ins Bodenlose.

An diesem Ende des Teiches ist der Einsatz
ein Blickkontakt mit Kabelanschluss und
Lötstellen für die Zeit, die man in den
Armen anderer verbringt. Ein Seerosenmann
zieht wie jede Nacht um die Häuserblöcke.
Verkauftes Land, das im Grundbuch der
Wasserspiegel seinen Eintrag findet.

Man lebt hier in den Freilichtmuseen der
Sternschnuppen unbeschwert von den
Anziehungskräften der Bäume. Küsse. Sind
Hintergrundrauschen von Ahornblättern und
die Haarspaltereien der Eulen im Gewöll. Es ist.
Nichts als ein Reiz auf den lichtempfindlichen
Stellen. Netzhautspuren über den Fingern.

Markus Breidenich

понедељак, 18. јул 2011.

Markus Breidenich

Nachwort

Und das Ungetane, das Spuren hinterlässt.
Auf einem Randstein im Gehege. Restposten
jeder Verwitterung. Ohne Hintergedanke
oder die blasse, tonlose Nachricht darauf.

Verlass ist auf Felder, die brach liegen.
Unser Ort unscheinbar. Eine digitale Wolke
über Herbstzeitlosen. Immergrün. Auf dem
Bildschirmblick in die Tiefe, der uns eigen ist.

In Zeiten der Wahrnehmung, in denen das
Licht scheint. Falschfarben der Hände. Die
sichtbar machen. Hinter Drahtlosnetzhäuten
oder den blinden Flecken der Sonne. Wir halten

den Regen für die Zeichensprache der Lebenden.
Wir gehen von Dingen aus, die haltlos sind, aber
Speicherplatz haben. Und wir lieben es, Bäume
herunter zu laden. In deren Zweigen wir spielen.

Markus Breidenich

Markus Breidenich

E–Vita

Sicher ist mein Innenleben von virtueller Natur.
Könnte ich sagen, was mich bewegt, ließe ich den
Cursor über die Oberfläche meines Bildschirms
kreisen und zwischen den Miniaturansichten
meiner Screenshots ein wenig blinken.

Ich bin diesseits und jenseits der Modem
Vertreter altmodischer Körperlichkeiten. Was
an meiner Stelle auf den Stühlen sitzt, während
ich online bin, bleibt ungewiss. Manchmal -
zwischen Ego-Shooter und Konsole - glaube ich

an mein übrig gebliebenes Leben nach dem
soundsovielten Tod. Ich kann nicht sagen,
wie oft ich untergegangen bin, während ich
surfen ging, aber die Auferstehung kostet mich -
was den Spielstand betrifft - nicht sonderlich viel.

Markus Breidenich