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понедељак, 20. август 2012.

Miroslav B. Dušanić : Spuren auf dem Wege

© by Dagmar Riese: Kosmisches
Spuren auf dem Wege

alles bewegt sich / alles dreht sich
immer geschieht das unerwartete

                           welches seltsames bild 

die glühenden buchstaben in der nacht
an den fassaden / in den schaufenstern
                               der stadt
ineinander fließen / ineinander schmelzen

                           welches seltsames bild 

immer und immer
das leben entzieht sich dem licht

tief verborgen bleibt es in den schatten
und zu sehen sind nur verwirrte nachtfalter
die zittern in ihren selbstmörderischen
                               tänzen

                           welches seltsames bild 

immer und immer
der tod erhebt sich aus dem boden

schleicht eigensinnig quer über die straßen
bleibt stehen / unweit von mir / und wieder
entpuppt sich eine fürchterlich lange nacht

                           welches seltsames bild 

immer und immer
geschehnisse trage ich unwillig nach hause

bringe sie auf mein zimmer / ins bett
diese zunehmende bilderwelt belagert mich
und die wirklichkeit endgültig auffrisst

                           welches seltsames bild 

immer und immer
weit weg in einer anderer zeit
weit weg in einem andren ort

Miroslav B. Dušanić

субота, 18. август 2012.

Miroslav B. Dušanić: Was mir fehlt

Franz Ringel: Augenspiel (1989)
Was mir fehlt:

             Die Hoffnung lag im Weg wie eine Falle.
                                                       Volker Braun
Die Uhr ruht auf der Wand.

Meine Augen schmelzen
wie in einer Folterkammer.

Und: Oh,
sagen alle und drehen sich
von mir weg.

Wieder
und wiederholt.

Das ist mühsam.
Das schmerzt.

Miroslav B. Dušanić

среда, 15. август 2012.

Miroslav B. Dušanić: Heimkehr

© by Александар Ћирић: Старица из старопланинског села Топли до
© by Aleksandar Čirić: Starica iz staroplaninskog sela Topli do

Heimkehr

Kehr heim mein Kind

Es ist menschenleer
so still
in dieser Landschaft

Auch ich bin stumm
Blut verdunstet
durch traurige Wolken

Im Herzen ist mir kalt
hinter
verschlossenen Türen

Kehr heim mein Kind

In deinem jungen Arm
wird wieder warm
ich bin mir so sicher

Miroslav B. Dušanić

понедељак, 13. август 2012.

Miroslav B. Dušanić: Die Worte eines Toten

Guillaume Corneille: Soleil rouge ciel blanc
                                Die Blutflut ist die Flut der Liebe
                                                                Sylvia Plath

Die Worte eines Toten: Rühre dich nicht
An jedem Tag wusste ich
            dass die Lösung weder Leben noch Tod war
doch der Schmerz hat meinen Blick voll eingemauert
Weit drüben auf der anderen Seite
            – in dieser Finsternis (hätte ich nie geahnt)
schlafe ich fast menschlich in deinem Blut

Miroslav B. Dušanić

среда, 27. јун 2012.

Miroslav B. Dušanić: Blindtext

© by Gunnar Reichwaldt

Blindtext

blindtext blindtext

blindtext blindtext blindtext


blindtext blindtext blindtext blindtext


blindtext blindtext blindtext blindtext blindtext


blindtext blindtext blindtext blindtext blindtext blindtext.

Miroslav B. Dušanić


© by Gunnar Reichwaldt
 
...ein Wortturmbau...
...babylonische Wortleere...
....gigantisches Aussagenichts....
.....und doch beredter als tausend Zungen..... 

© by gabriele brunsch

уторак, 26. јун 2012.

Miroslav B. Dušanić: F R E I H E I T

© by Didier Massard - Fairy Tales

Vielleicht nur ein Wort auf dem Blatt
im Juni nicht Juli
an Stelle von Heimat
vielleicht in der Nacht
um den zunehmenden Mond
in meinem Herzen
in meinen Träumen
vielleicht irgendwann
vielleicht auch niemals bleibt mir
als letzte Möglichkeit die F R E I H E I T

Miroslav B. Dušanić

Didier Massard: geb. o4. September 1953 in Frankreich,
Studium: French Baccalaureat/Degree of Art and Archaeology, University of Paris,
zahlrieche Ausstellungen in Gallerien weltweit...

Link: Didier Massard Photography

петак, 15. јун 2012.

Miroslav B. Dušanić: Im Rückzug

© by siren o'brien photography


zum boden gesenkt
des tages müder blick
im rückzug

schluckt staub
ergibt sich

bald wächst gras drüber
bald bist du nichts

Miroslav B. Dušanić

среда, 6. јун 2012.

Miroslav B. Dušanić: Hautgedächtnis mit Schatten

Miroslav B. Dušanić
Hautgedächtnis mit Schatten

Ich –

erinnere mich an nichts

war schon an die Grenze
angelangt
von der es kein Zurück
mehr gab

Wer hat die Todeslandschaft
gemalt

Ich –

erinnere mich nicht
wie alles angefangen hat

Aber die Nacht –

hat sich im Raum verfängt
streckte die Zunge aus
noch immer
fühle ich die feuchte Kälte

Miroslav B. Dušanić

четвртак, 24. мај 2012.

Miroslav B. Dušanić: …was muss ich alles erleben!


…was muss ich alles erleben!

immer mehr verstricke ich mich
in die lyrikwelt
und in den worten halt suchend
verliere ich die wahren freunde
die deutschsprechenden
die muttersprachesprechenden
die anderssprechenden

und immer mehr plagen mich
die grauen gedanken…

Miroslav B. Dušanić

петак, 18. мај 2012.

Mit Buchstaben und Gräsern bewächst

© by Steffen
Mit Buchstaben und Gräsern bewächst

Sobald es über die Lippen ging
Jedes Wort wurde nach einem Plan
In den Stein oder Holz
Eingekerbt…

Wenn alles gelingt
Auch des Himmels Licht
Mit seinem Stich
Mit Buchstaben harmonisiert.

(Seit der Entstehung der Welt
Ist die Erde
Für den Menschen bereit
Sie wartet
Und öffnet den großen Mund
Der Mensch ist bis in alle
Ewigkeit
Sie zu ernähren verurteilt…)

Miroslav B. Dušanić

петак, 11. мај 2012.

Miroslav B. Dušanić: Hinreichend unbekannt

© by Gelts
Hinreichend unbekannt
            für G. Brunsch und J. Beilharz


Tag für Tag
dasselbe Lied:
Ein Aufschrei
in den Himmel
nicht geklärt…

Mitten in der Nacht
aus dem Traum
mit der Urangst
erwachter Dichter
greift ins Leere

Die gefangene Stille
nur ein Ausweg
am Krankenbett
an dem die Götter
nicht mehr wohnen…

Und überhaupt:
die Bäume
färben sich rot
die Vögel krächzen
und ziehen fort

Miroslav B. Dušanić

© by Acid
Tag für Tag

Stille -
im Anschlag
zwischen
über
in
den Worten
all überall.

Du hörst ...
nicht

Dein eigen Bild
steht dazwischen,
versperrt Dir
den Weg.

Stille -
ureigenster Widerhall
Deines Wesens,
wenn I C H in Bewegung
erschafft
mit jedem Schritt
sich neu.

In Einheit -
Ich und Stille.

by © Bernhard Albrecht, 31.05.2012

недеља, 20. новембар 2011.

Miroslav B. Dušanić: Ich und die Welt

Hand Strings © by Ryder E. Robison
Ich und die Welt

Sobald ich aus dem Ich trete,
Schlafe ich ein.*

Ich war dort
Wo unsere Erde
Losbricht, und erwacht
Kehrte ich zurück.

Alle Farben dieser Welt
Fand ich erst
Zuhause,
In deinen Händen.

Jede Utopie,
Die ihrer Verwirklichung entgegengeht,
Ähnelt einem zynischen Traum.*

Miroslav B. Dušanić
(27. 05. 2007/20. 11. 2011)

среда, 9. новембар 2011.

Miroslav B. Dušanić: Ein unendliches Thema

Alle Rechte vorbehalten von Manning in the sky
Ein unendliches Thema
(am Rand des Buches vermerkt und beleuchtet)

Die Ferne ist es nicht und nicht die Nähe.

Ich sage: wer Lyrik schreibt, ist verrückt,
Wer sie für wahr nimmt, wird es.

Und ich habe sie nicht gedeutet,
Und Tag und Wirklichkeit von mir entweicht.

Im Fernsehn tanzen Völker mit dem Tod,
Im Schwung, eins über dem Rücken des andern.

Und ich weine Tag und Nacht,
Und alles ganz still.

Und ab und zu wird groß durch Blätter ein Gesicht,
Und geht zum Gras und wird ein Abend,

Und kommt zum Schlaf und wird ein Nass.

Ich tick nicht, was das Arschloch motiviert.
Ich tick es echt nicht…

Manche meinen: ich darf nicht länger leben,
Man sollte meine Seele strafversetzen.

Jetzt könnt ich sterben, zwecklos und sinnvoll,
Mit gelbem Laub.

Und mir wurde plötzlich klar,
Hab keinen Bock, will ich lieber alt,

Wie das Gedicht.

Miroslav B. Dušanić

Miroslav B. Dušanić: In Grau gehüllt

© by Antonio Máro
In Grau gehüllt

Düstere Felder stumm und taub
In Erwartung des Himmels Tau
Trübe Seele in dem Wind
Verstreut in alle Richtungen…

Wie damals: Wo der Himmel leer ist
Er wirkt wie tot.

Vielleicht gibt es Augenblicke
Des Erwachens…

Miroslav B. Dušanić

уторак, 25. октобар 2011.

Miroslav B. Dušanić: Dialog mit dem Fremden in mir

© by Angelika Demel: pain
Dialog mit dem Fremden in mir

Sag‘ nicht die Jahreszeit sei trüb
alles feucht und überschwemmt
der Regen fällt
und schlägt dir auf den Kopf
hart hinab tropft ins Herz.

Vergeblich wirst du dir ein Haus
in den Träumen bauen
um dich von lästigen Stürmen
und verwesenden Kriegstoten
fernzuhalten…

Vergeblich wirst du dich ummauern.
— Es sind die Verknotungen
die Versuche und die Erprobungen
denen du ausgesetzt bist
…wer kann sie schon zählen.

Ich bin nicht gern, wo ich herkomme
ich bin nicht gern, wo ich hinfahre
sagte auch Bertold Brecht
aber die Zellen im Strom seines Blutes
selbst im Exil nie verstummen.

Miroslav B. Dušanić