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недеља, 11. децембар 2011.

Literaturfreundin: Claudia Johann


Der große Metaphysiker IV

er strauchelte ein wenig
der große Metaphysiker
„was tu’ ich hier…“
fragte er seufzend
schaute auf zum ozeanfarbenen Himmel
und hinab zum himmelblauen Ozean

im milchigtrüben Horizont
verlor sich der Steg
der ihm Boden unter den Füßen war
vorsichtig… vorsichtig…
drehte er den Kopf
und da war ihm
als narre ihn ein Spiegelbild

mutlos senkte er sein Haupt
„was soll mir ein Boden
gerade so breit
wie die Spanne meiner Hand?“
klagend hob er die Arme
ein kleines erbarmungswürdiges
Kichern machte sich Luft

© by Claudia Johann


der große Metaphysiker III

nachdenklich
stützte der große Metaphysiker
den Kopf in die Hände
und fragte schließlich
„wer bist du?“
„ich bin nur ein Symbol -
ein Symbol für das Leben“
antwortete der Knoten

„das Leben… “ sinnierte
der große Metaphysiker
„woraus besteht das Leben?“
„aus Mangel und aus Fülle“
sprach der Knoten
der ein ewiger Knoten war
weil er weder Anfang noch Ende kannte

der große Metaphysiker
seufzte ein wenig
strich sich die Haare glatt
und kämmte sich
ein leises Lächeln
ins bleiche Gesicht

© by Claudia Johann

субота, 28. фебруар 2009.

Miroslav B. Dušanić: Bilder aus dem Körperhaus 3

Bilder aus dem Körperhaus
3

es dämmert / zorn der götter füllt meine brust / die rasierklinge dringt in die haut / taucht ein zwischen runzeln und falten / und stürmend fließt das blut / und lautlos ist der letzte ton…

Miroslav B. Dušanić




Handy-Photos (Nokia 6120 classic): Miroslav B. Dušanić - Labyrinth I - III

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schmerzhaft für geist und seele
diesen bildern zu folgen,
lieber dichter, wohin führst du mich,
in welche abgründe zerrst du mich,
lässt du mich teilhaben
am zorn des menschen gegen sich selbst,
an dieser süchtigen selbstzerstörung,
lässt mich augenzeuge, spiegelgast sein,
lässt mich das tropfen des bluts,
dunkel und blutigrot und es riecht,
hören und sehen, hören und sehen,
und das schneiden der klinge,
da hinein in gealterte haut,
es würgt mich der ekel,
was widerfährt mir, welche pein,
muss ich ertragen,
wie krank muss ich sein,
wie elend, wie aussichtslos siech
an leib und an seele,
wenn ich die klinge nehme,
wenn ich sie greife, festhalte
gierig mit daumen und zeigefinger
und schneide, den fluch auf den lippen.
jetzt werde ich den zorn der götter,
ihr blitzgewitter spüren,
jetzt, werden ihre nägel sich mir
ins innenfleisch bohren,
jetzt, werden mit hyänengebell
sie mir die seelenwände blutig schürfen,
das leben lallt noch, lallt, lallt,
und ich versinke in eisschluchten,
und spüre deine harte hand, lieber dichter,
die mich gierig mit daumen und zeigefinger
hält, und dann loslässt...

© by Gabriele Brunsch


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Der große Metaphysiker
Der große Metaphysiker
Der große Metaphysiker
Der große Metaphysiker
Der große Metaphysiker
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der große Metaphysiker
wollte keine Sterne
die ihm vor die Füße fielen
er war ihrer leid geworden

er wandte das Antlitz gen Himmel
und hob theatralisch die Arme

unzählige Sterne erzitterten
lösten sich vom Firmament
und schossen geradewegs auf ihn zu
scharfkantig und blitzend

der große Metaphysiker
kreuzte die Arme über dem Haupt...

lautlos fiel der letzte Stern

недеља, 22. фебруар 2009.

Miroslav B. Dušanić: Was haben Sie aus mir gemacht Herr Borges?


Was haben Sie aus mir gemacht Herr Borges?
/Der Blinde sieht am besten./

Der Satz „the blind man sees best“ verfolgt mich schon
längst, ich höre ihn so oft von allen Seiten, man flüstert
ihn fast alltäglich in meine Ohren in allen erdenklichen
Varianten und mir erkennbaren Sprachen…

Miroslav B. Dušanić

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Blind

Ich sehe die Weite, die Nähe, die Klarheit, das Schimmern, das Geben, das Nehmen, das Schreien und Wimmern, echte Wärme und Kälte, das Rennen, das Bleiben, das Atmen, das Weinen, das Lachen, das Fühlen, das Leben, das Sterben, den Sinn und den Unsinn, das Trinken und Essen, das Bitter, das Süße, die Liebe, den Hass, das Glitschige, Raue, das Trocken, das Nass, die Stille, den Wind...
...und weiter und weiter kann ich sehen das alles --

wenn meine Augen geschlossen sind.

Fabian Tietz

Schließe die Augen
Begebe mich an den Ort
Atme ihn tief ein
~
Lasse die Welt sich drehen
Hier allein bin ich daheim

© by syntaxia


Kürzlich kam ich ins Gespräch mit einem Architekten und Maler, einem Herrn, der in einigen Tagen 80 Jahre wird... Ich bemerkte erstaunt, dass er keine Brille trage. Er antwortete: "Was ich sehen will, sehe ich sehr gut ohne Brille!"

© by Claudia Jo


wo sehen sie hin

wo sehen sie hin
die blinden?
augen?
blicke?
was geht? es
uns?
an?

die introspektion
als instimste
der ein
sichten
geht weder die
sehenden noch
die anderen blinden
etwas an

wo sehen
wir hin mit
offenen augen
sind wir so oft
blinder als
die die nicht
sehen können

wischen lider
über pupillen
die sehen
oder nicht
aufundabundaufundab
schlag um wimpernschlag
traumverloren(e)
dreamscapes

Beatrix Brockman

Mercedes Varela, Cartel de la Exposición: "Borges en la Biblioteca Nacional de Buenos Aires"

Era tanta a luz
o poeta arraca os olhos
para ver melhor.

José Carlos Brandão

петак, 14. новембар 2008.

Claudia Johann: Der große Metaphysiker II

Fotoausschnitt: © by Bob Kelly

ein Stern fiel
in das Labyrinth des Wahnsinns
geradewegs vor die Füße des großen Metaphysikers
der Stern detonierte sanft
aber doch so
dass die Wände des Labyrinths
wie Spielkarten zusammenfielen

im letzten Flimmern
des tödlich verletzten Sterns
fand der große Metaphysiker die Orientierung wieder
er weinte dankbar aber auch verzweifelt
ein Stern hatte sich für ihn zu Tode gestürzt
nun musste er die Bürde tragen
die da hieß:
ZURÜCK IN DIE WIRKLICHKEIT!!!

Claudia Johann

среда, 8. октобар 2008.

Claudia Johann: der große Metaphysiker

© by fotobeute

der große Metaphysiker

ein Stern war dem großen Metaphysiker vor die Füße gefallen
er tötete ihn nicht
er wandte sich ab
ließ ihn liegen
was sollte ihm das Leben
oder der Tod
eines einzelnen Sterns
es gab derer viele

erst später wird er erkennen
dass jeder Stern auf eigene Weise funkelt
theatralisch wird er die Arme ausstrecken
und überzeugt sein
den Schweif eines Kometen gesehen zu haben
aber es wird eine Fruchtfliege gewesen sein
die - angezogen vom Weindunst seines Atems -
vor seinen Augen geflimmert hatte

© by Claudia Johann

понедељак, 16. јун 2008.

Miroslav B. Dušanić: Siegel-Notiz

Mark Tobey - ohne Titel
Siegel-Notiz

Abends vergrabe ich mich zur Ruhe
Die Nacht bedeckt still
Hinterlassene Spuren lösen sich auf
Wort für Wort:

Sprachgitter
Spiegel
Silberfläche
Glassplitter

Gewitter
Wellenschlag
Wolkenfetzen
Wasserströme

Im fahlen Mondlicht meine Haut
Ergraut und laut bricht...

Übrig Staub vom Gedicht

Miroslav B. Dušanić

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Die Spiegelsplitter von denen das Blut tropft –
Die Wörtergitter, wenn noch das Herz klopft –
Die graue Haut im bleichen Siegel –
Und dann die Worte – Seelenspiegel.

© by P. Spinger

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abends vergrabe ich mich zur Ruhe:
Satzgewölk
Auflösung
Satzfetzen
zerfetzte Worte
sinnlos aneinandergereiht
und endlich:
die Wirrnis ertrinkt
widerstrebend
in silbriger Flut
Erlösung!

© by Claudia Jo

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So leise ist Tag nicht
nicht Nacht
so hell nicht
wenn Sonne aufgeht
nicht der Mond
so leer nicht der Morgen
der Abend
Mittag nicht
stolz nicht
nicht stark
übrig nicht
Staub vom Gedicht

© by SuMuze

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Das rote Siegel, Schlaf und Traum,
verbannt des Lichtes düsterste Gestalten,
den Flittergeist aus Wort und Angst und Wut,
das Hingehauchte und das Ausgestoßne,
das grelle Bildgemisch von
zäh-vertropften Stunden
schließt ab und öffnet,
das ist gut...

Die rätselhafte Macht des Siegels:
(da ist nichts mehr wie es gerade war)
bewahrt nur scheinbar Klang und Sinn,
verschüttelt Wort und Wort ganz ohne Zutun,
und bietet sie beim Aufbruch
scheuen Blicken
- von Staub befreit -
zum Neubeginn...

Gabriele Brunsch

уторак, 20. мај 2008.

Miroslav B. Dušanić: Offenbarung dieser Nacht

© by Rainer F. Stocké
Offenbarung dieser Nacht

Der Feuervogel lässt sich im trügerischen Licht verstummen
und kehrt zur Höhle zurück
Hier wohnt die Stille

Miroslav B. Dušanić
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seiner Intuition folgend
wartet er
lange
...
geduldig

auf ein Licht

das stark genug wäre
die
Dunkelheit
Stille
Einsamkeit
der Höhle zu ertragen

dann jedoch

wäre es an der Zeit
HERAUSZUTRETEN

© by Claudia Jo


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Rainer F. Stocké

Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab.
- Marc Aurel


Nähern Sie sich meinen Bildern und Symbolen vorsichtig und behutsam. Legen Sie Ihren Alltagsrock ab und öffnen Sie die Türen zum Bild mit Geduld und Ruhe. Sie werden dann viele Eingänge und Möglichkeiten sehen, durch die Sie in meine Bildwelt eintreten und wahrnehmen.
Meine Bilder erzählen Geschichten, sie sind Träume und Wahrheit – sie sind meine Welt, die ich wahrnehme und mitteile.
Meine Geschichten und Träume werden Ihre Träume sein, wenn Sie die richtige Tür zum Bild geöffnet haben – vorsichtig und behutsam. Ich biete Ihnen eine Bühne mit Gedanken an und möchte keine Interpretation vorlegen oder vorgeben.
Ich wünsche mir sehende und wahrnehmende Betrachter, die meine „Gedankenbühne“ als Basis zum Absprung zu den weiten Horizonten der eigenen Vorstellungskraft benutzen.

Rainer F. Stocké (Aus dem Bildband „Traumbilder“, 1986)


Rainer Stocké ist am 6.6.1951 geboren, lebt und arbeitet in Frankenthal/Pfalz und Ramatuelle/Frankreich. Seit 1970 nationale und internationale Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland. Veröffentlichung seiner Arbeiten in zahlreichen Büchern, Bildbänden, Kalen¬dern und Magazinen. Seine künstlerischen Arbeitsschwerpunkte sind Fotografie und Malerei.

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>>PROSANOVA<<
vom 22. bis 25. Mai
Deutschlands größtes Festival für junge Gegenwartsliteratur
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понедељак, 28. април 2008.

Miroslav B. Dušanić: Die Wahrheit des Scheiterns

Die Wahrheit des Scheiterns

Aus der Tiefe des Dunkels
erheben sich
umgebrachte Freunde
mit dumpfen Schreien
ansiedeln meine Seele
mit spitzen Nägeln
zerkratzen mein
gerettetes Leben.

Miroslav B. Dušanić

© by Tony Angell - Male Crows with Mates Meet at Border of Their Territories (2005)

das Vergessen fürchtend
verschaffen sie sich Beachtung
E I N D R I N G L I C H !

fordern eine Stimme
die für sie spricht
E I N D R I N G L I C H !

© by Claudia Jo

субота, 12. април 2008.

Miroslav B. Dušanić: Im Schwindelgefühl

Im schwindelgefühl

Wortlos vom zuviel an Schwermut
Dämonen der Erinnerung ständig
diese und jene Stunde lang hinter
meinen Schritten auf den Straßen
und anderswo üben Gedichte und
erstellen bizarre Lyrikbruchstücke
die mir den Anschluss an die Welt
nicht erleichtern mehr versperren

Miroslav B. Dušanić


die gedichte aber erwürgen sich gegenseitig
die lyrikbruchstücke verknäulen ineinander
fliegen schließlich auf wie eine rabenschar
rettung verspricht die banalität der gang
zum bäcker zum briefkasten oder das auto-
reifenwechseln die sogenannte normalität

© by claudia jo

субота, 5. април 2008.

Miroslav B. Dušanić: So mag ich mich nicht


So mag ich mich nicht: Im Gesicht
Donnerschläge entdeckt

Eingenistet im Bart
Lagern sich ab
Spannen sich auf

Miroslav B. Dušanić

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So muss ich mich mögen:
Zeichen des Alterns
graben sich ein
um die Augen
Krähen begutachten ihre Füße:
Geschmeidig und kraftvoll!
Beleidigt krächzend
ziehen sie davon...

© by claudia jo
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