Приказивање постова са ознаком Experimente 5. Прикажи све постове
Приказивање постова са ознаком Experimente 5. Прикажи све постове

уторак, 13. јануар 2009.

Miroslav B. Dušanić: Dämmerung

© by Marja-liisa Torniainen (2008)

Dämmerung

/…so still ist hier in meinem Zimmer, zwischen der Strenge der flachen Wände so leblos und öde. Das Dunkel nimmt seinen Lauf, kühl und tödlich. Das Licht ausgeht. Es wird Nacht ohne Mond./ 

aber das gefühl: dem selbst
und der nacht überlassen
ohne tröstliche worte

aber das gefühl: entfremden
gespenstisch mich auflösen
in dem äther…

Ob ich deshalb Dich vermisse?

Miroslav B. Dušanić
(Ausschnitt aus meinem „nachlass von lucas“)

петак, 9. јануар 2009.

Miroslav B. Dušanić: Tatendrang Auf-tritt

© by Blue Ridge blog
Tatendrang Auf-tritt

all-täglich im wind
der uns ereilt

rot — leuchtend
verwildert

hochzuklettern

übt sich unser
gesicht


von zeit zu zeit
der regen-

bogen

so tief gebeugt

unser augenblick
wieder-

willig im erdboden
verstummt

Miroslav B. Dušanić

понедељак, 15. децембар 2008.

Miroslav B. Dušanić: Eine Landschaft - typisiert nach Branko Andrić

Branko Andrić - Desaster of Chaos (1997)
Eine Landschaft - typisiert nach Branko Andrić

ein fenster ist ein rahmen
für ein bildnis von zwei liebenden
deren körper
nacheinander brennen

verletzt aus dieser flamme
tragen sie unfallspuren
was den raum
ein leben lang verändert

Miroslav B. Dušanić

Le vertige des fleurs (1994) © by The Art of MATTA
weißt du, wie es war, liebster,
als wir des fliegens noch mächtig?
über die grenzen des ich
ging es dahin,
schiffen gleich
die sich im licht des himmels
verschwindend
auflösen
und entziehn dem verharrenden blick.
wir trieben mit wolken dahin...
und der schweiß der pferde
war uns so fern
wie das keuchen der träger
und das knarren der tür
die sich hinschiebt
über das gedächtnis der zeit.
winterlich schenken wir jetzt,
gefällt vor dem Baum der erkenntnis,
einander nur zaghafte blicke
und weinen uns zu wie zecher,
die das grauen des morgens vereint.
so matt ist die seele ...

wo, wenn schnee fällt
und frost die halme zersplittert,
ist jetzt die mutter,
die mir den bratapfel füllt –
mit süßen rosinen –
und mich dann anschaut, und lächelt,
wenn ich ihn esse, im warmen,
ich, das verlorene kind.
(1987)

Gabriele Brunsch

петак, 21. новембар 2008.

Miroslav B. Dušanić: Very you

"Dominique Goblet" © by Lagoblette

Very you
(für Dich im Marketing-Denglisch)

Sport, Lifestyle und Fashion
eine lebendige Komposition
beflügelt von Fantasy
macht das Leben schöner und very intensive

Unverkennbar moderner
ausdrucksvoller Mix voller Lebenslust
cool, atemberaubend, sensitive
sexy in vollen Zügen, very sophisticated

modern shining und einzigartig
symbolisiert puren Luxus und Eleganz
sorgt für die freshe Ausdruckskraft
und unverwechselbare Identity

verführerisch urban, selbstbewusst
und warum nicht – very secret
authentic, lässig, dynamic betont
unendlich fascinating, charismatisch

Sport aktiv - der Freshe-Kick
Hauptsache: Du haltest Dich fit

Miroslav B. Dušanić

четвртак, 4. септембар 2008.

Miroslav B. Dušanić: Daheim


Daheim

Es gibt ein Zimmer.
Die Finsternis wirft ihren hungrigen Blick.

Es gibt einen Tisch, paar Stühle und Computer.
Die Finsternis wirft ihren hungrigen Blick.

Es gibt einen Fernsehapparat und Bücher von Kafka.
Die Finsternis wirft ihren hungrigen Blick.

Die Finsternis hungert.
Eine kurze Erscheinung.

Die Finsternis erblickt mich.
Eine kurze Erscheinung, die im Kopf viel auslöst.

Die Finsternis erblickt: Es gibt mich.
Eine kurze Erscheinung, die im Kopf viel auslöst, nachhaltig.

Miroslav B. Dušanić

Photos: Miroslav B. Dušanić

недеља, 20. јул 2008.

Miroslav B. Dušanić: Ah Du, Du...


Ah Du, Du...
Wie tief die Liebe brennt


Ich bin die pulsierende Geistseele - gespenstischer Schein sozusagen
so breit und einladend
der Dich hier berührt
ganz egal ob es Aufbau oder Zerstörung bedeutet

Ah Du, Du...
Wie tief die Liebe brennt


Ich webe und wirble auf dem Pfad des Suchens
ziehe in das Schweigen
und schleiche davon
so als wäre ich nie vorbei gekommen

Ah Du, Du...
Wie tief die Liebe brennt


Ich bin das Auge - also sprach der Herr
doch der Blick bist Du

Ah Du, Du...  


Miroslav B. Dušanić

петак, 18. јул 2008.

Miroslav B. Dušanić: Mutus Liber

© by Dino Valls - Mutus Liber (Stummes Buch)
Mutus Liber

Aus lauter Angst wieder in die Welt die als göttlich erscheint zurückzukehren hülle ich mich in Schweigen wie jede andere Wahrheit auch und sitze da blind taub nur durch den Herzschlag bebend.

Miroslav B. Dušanić

среда, 25. јун 2008.

Miroslav B. Dušanić: Die Nelke für Dich

Miroslav B. Dušanić
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Die Nelken

Der Nelkenduft, den meine Mutter liebte,
weht jetzt mir zu aus diesen fremden Beeten.
Wer dachte einst, ich müsste je betreten
Dies ferne graue Land, das ungeliebte?

Wenn ich vom Markt am Samstag Nelken brachte,
fand ich ein Sträußchen bald an jedem Platze,
da meine Mutter mit dem Blumenschatze
den ganzen Schrank zum Nelkenhäuschen machte.

Sie selbst trug ein paar Nelken an der Bluse,
und aus dem Bierdunst und der Gäste Lärmen
entschwebte sie mit mädchenhaften Schwärmen
verzaubert als des Blütenmärchens Muse.

Der Duft umgab uns, wenn wir Verse lasen,
ich und die Mutter, wir schwören beide,
ganz hingegeben dem erdachten Leide,
und Nelken prangten rings in allen Vasen.

Die Zeiten milder Glücklichkeit vergingen,
Die Mutter löste längst sich aus dem Leben,
und mir war es nicht einmal mehr gegeben,
ein Nelkensträußchen ihrem Grab zu bringen.

Nun sucht die fremde Luft, die ungeliebte,
mich plötzlich mit Erinnerung zu verführen,
mit wohlvertrauten Hauche zu berühren,
dem Nelkenduft, den meine Mutter liebte.

Max Herrmann-Neisse

George Grosz : Schriftsteller Max Herrmann-Neisse (1925)
Max Herrmann- Neisse:
geb. 1886 in Neiße, lebte nach dem Studium der Philosophie und Kunstgeschichte als Schriftsteller und Kritiker in Berlin, bis er 1933 aus Deutschland nach England floh. 1941 starb er in London.

среда, 18. јун 2008.

Miroslav B. Dušanić: Brief nach Hamburg : für Mike


Brief nach Hamburg : für Mike

meine Tage dauern und dauern
nichts anderes im Zimmer
in der Nachbarschaft weint ein Kind
immer lauter und von allen Seiten
und ich will es nicht hören
was in den Zeitungen steht
so möge mich der Teufel verwöhnen
ich bin ab heute auf meine Ohren taub
glaube mir das ist besser so
ich möchte niemanden
ich habe keine Zeit
aber du kannst mich anrufen
nimm ruhig einen kräftigen Schluck
und im Kopf dreht sich schneller
die Flut kommt und geht wie sie will
versuche bitte das ist gut
die Essenz aufzuspüren
es tut dann nicht mehr so weh
und immer und immer wieder
du findest deine Träume nachts
höre nicht wie die Seele einsam brüllt
du weißt es dass niemand dich versteht
zeitlos musst du treiben
diese Stadt knirscht mit den Zähnen
und es nistet nicht mehr hier
auch im Walde ist es nicht wie es war
ein Wolf knurrt in der Erinnerung
und es fallen ab die alten Qualen
und man dürstet und hungert
weil die Erde ihre Schollenbeine spreizt
verdammt das Leben ist so kurz
ach ich fühle schon mein Sterben

Miroslav B. Dušanić
Hildesheim, 17./18. Juni 2008

уторак, 27. мај 2008.

Miroslav B. Dušanić: Notiz eines vergessenen Mannes

Владимир Величковић
Notiz eines vergessenen Mannes

Im Ablauf der Jahre verblassen und verlöschen viele Spuren
befremdlich und geheimnisvoll erscheinen die Geschichten
über Kriege von damals oder verbotene Liebe
und keine Landschaft erinnert sich mehr an meine Schritte

Aber ich will nach Hause zurück zum Anfang
zurück an die Todesfront wo der Atem nach Blut riecht
in die Mondnächte wollen meine vergessenen Wölfe
an die verschneiten Straßen am Heiligabend

Diese verdammte Welt ist nicht mehr Wert
in meinem Zimmer finde ich kein Lebenszeichen
nichts hinterlässt Wunden und Narben

Miroslav B. Dušanić

недеља, 25. мај 2008.

Miroslav B. Dušanić: Am Tag des Heiligen Lukas in Trnovo

© by Vladimir Veličković - corps (tijela)

Am Tag des Heiligen Lukas in Trnovo

The uproar tore through the hearts of men and
echoed throughout heaven and earth.
(from the Baghavad Gita)

An diesem Tag
spürt man den Krieg nicht

Von zahllosen Söldnern vergewaltigt
begegnen sich tote Gesichter in der orthodoxen Kirche
sie beklagen den unermesslichen Schmerz nicht mehr
ihnen kommt kein Wort über die Lippen

...
und die anderen abgestumpft werfen Flammen
und wer weiß wo in der Ferne graben neue Löcher

...
und eben das macht mich menschlich

Miroslav B. Dušanić

*****************************************************
>>PROSANOVA<<
vom 22. bis 25. Mai
Deutschlands größtes Festival für junge Gegenwartsliteratur
*****************************************************

петак, 11. април 2008.

Miroslav B. Dušanić: Anastasija Petrovna

Мирослав Б. Душанић

Anastasija Petrovna 

Nur manchmal in der Stille der Nacht
zeigt sie ihr Gesicht und schweigt
wie ermüdet vom schlaf oder
ich bilde mir nur ein: sie gibt es noch
zwischen Zeige- und Mittelfinger
elegant in einem sehr wehen Licht
malt sie einen Lidstrich um die Augen 

Miroslav B. Dušanić

четвртак, 10. април 2008.

Miroslav B. Dušanić: Ein Dichter erzählt über Anastasia Petrovna

Rodolphe Bresdin: La comédie de la mort

Ein Dichter erzählt über Anastasia Petrovna

                                   Es gab ´ne Zeit, wo kalter Schauder mich fasste,
                                   wenn der Nachtvogel schrie; das ganze Haupthaar
                                   bei einer schrecklichen Geschicht´ empor
                                   sich richtete, als wäre Leben drin.          
                               (Shakespeare: Macbeth)

Inmitten der Nacht stand sie am Fenster
und zeigte auf etwas Unsichtbare.

Nackt. Völlig nackt.

Aber dann zerbarst der Mond
in Tausend Blüten,

und verkündete den Weltuntergang.

Miroslav B. Dušanić

субота, 22. март 2008.

Miroslav B. Dušanić: Die Grenzen der Sprache

© by Bоžidar Bošković - Suton


Die Grenzen der Sprache sind die Grenzen meiner Welt.
(Wittgenstein)

dichter dran belauschen
das tiefe geräusch
des innern

durchqueren fiebernd
durchdringen bohrend
das empfindsame herz

dann zurückkehren
dem tage entgegen

unzufrieden
und regelrecht destruktiv

dichter dran
dichten absichtlich:

des blutes spur
des unsren körpers
der in trostlose leere vergeht

und alles licht abstößt
unwiederbringlich entgleist

Miroslav B. Dušanić