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петак, 24. јул 2015.

Elsa Rieger: Im Dämmerlicht

Elsa Rieger (Wien)
Im Dämmerlicht

des Morgens
wenn die Amsel tönt
noch Nebel über Gräsern liegt
da reichen Worte mir die Hand

Sie wiegen sich im zarten Tanz der Verse
bis sie im Reim gebunden
ihren Strophen Glanz verleihen

Doch nachts im Wachsgeknister
unterm Kerzenlicht finden sich andre Worte ein
sie brennen, wüten, trauern auf den Blättern
über Vergangenes und sammeln sich zum Schrei

Elsa Rieger

Miroslav B. Dušanić

недеља, 2. јун 2013.

Elsa Rieger: Weißt du

© by Christian Rieger: Elsa Rieger

weißt du

ich habe keine zeit fürs leben mehr
voll liebe und romantischer gefühle
aus diesem brunnen jahrelang schöpfte
ich eimerweise leidenschaft wie qual
der sehnsucht und des wartens auf erfüllung

kam diese, um mich dann zu überschwemmen
stahl sie mir leib und seele bald
verloren in der allzu großen nähe
glich ich konturlos an das du mich an

ich habe alles hinter mir gelassen
besinne mich und finde ganz zu mir
oft amüsiert von alten wilden bildern
mit abstand war es doch recht schön
so schön, dass ich darüber poesiere

weißt du...

Elsa Rieger

четвртак, 16. фебруар 2012.

Elsa Rieger: Metamorphose



Metamorphose

abgeschält hab ich
Schicht um Schicht
Geheimnis um Geheimnis

offengelegt steh ich vor dir
ganz ohne Schillern
weiß nicht was du siehst

ists eine Fratze oder schön
bleibst du aus freien Stücken
willst du lieber von mir gehn

ängstlich sind die Fragen
bestürmen meinen Sinn
mich friert in der nun dünnen Haut

Elsa Rieger

четвртак, 13. октобар 2011.

Elsa Rieger: Was bleibt

© by schorlestumpen (Gelsenkirchen - Deutschland): Loslassen

Was bleibt

Kriegerin nannte mich meine Schwester und stolz brannten ihre Augen auf mir. Bald schlossen sie sich für immer. Ich kroch in diese und jene Betten, mein Herzwund mit einer Art Liebe zu überleben.
Jahre kamen und gingen.

Du kamst. Breit und stark waren deine Schultern. Du hast mich umfasst, bis meine Tränen versiegten. Verletzungen heilten. Auch das Lachen wuchs und Leichtigkeit. Kieselgestein brach sich unter Wasser im Sonnenlicht. Tags darauf ratterten wir Serpentinen steil hinan zum Gletscher. Mein Leib dicht an dich geschmiegt. Auf deinem glitzerroten Gefährt. Ich wollte ... ich wollte ...

Und jetzt sind es zwei Namen, die mir auf den Lippen knistern, jeden Morgen aufs Neue.

Elsa Rieger

четвртак, 21. октобар 2010.

Vor der Stille

Savko Pećić PESA

Vor der Stille

Aufbäumen
in Glut ehe der Saft
ihn verlässt

letztes Erinnern
an rauschende Hitze
an Küsse beschützt
im dichten Grün

fällt bald wie Tränen
dem Frosthauch anheim
welkend belebt er die Erde
und leer ist das Nest

Elsa Rieger

уторак, 3. август 2010.

Miroslav B. Dušanić: Spaziergang / Miroslav B. Dušanić: Шетња

Spaziergang

Durch leere
Altstadt-
gassen
blättere
ich Tage.
Aus jedem
Schatten
male einen
Traum aus.

Miroslav B. Dušanić



Шетња

Кроз пусте
староградске
сокаке
прелиставам
дане.
Од сваке
сјенке
исликам
једну жељу.


(на Српски прeпјевао Аутор: Мирослав Б. Душанић)


Vom Gehen in Städten

Durch die Prachtstraßen zwischen anderen Horden, angeführt vom hochragenden Schirm, auf dessen Spitze ein gelbes Fähnchen flattert. Blasse Schenkel, geschwollen Knie (Touristen tragen mit Vorliebe Khakishorts und Frotteesocken zu Sandalen) trotten im Pulk hinterher.

Ich breche aus. In den Seitengassen schwebt Kühle, als sickere Verlorenheit, aus bröckelnden Gemäuern. Dahinter schmale Wendeltreppen. Einheimische laufen mit Einkaufstaschen vorbei. Ich bin unsichtbar in ihren Augen.

Ein kleiner Platz, zwei renovierte Bürgerhäuser halten sich, wie mir scheint, (vielleicht, um nicht ganz ihre Geschichte zu verlieren) an einer schmutzigen Sandsteinkirche fest, die gotisch schlank das Ensemble überragt. Gegenüber ein Kaffeehaus, davor Stühle, Tische zwischen irdenen Töpfen, in denen Sommerflieder kümmert. Der Garten bevölkert von Nichttouristen, erkennbar an der Sprachmelodie, die über dem Ensemble schwingt, auch an der Kleidung. Ich setze mich dazu. Bestelle Kaffee, bedacht, den Akzent zu vermeiden. Der Kellner antwortet gebrochen in meiner Sprache, lässt den Blick dabei ins Leere schweifen. Ich bleibe unsichtbar.

Elsa Rieger

субота, 1. мај 2010.

Elsa Rieger: Für M.













ich bin verliebt
in jedes deiner worte


trink deine verse
traumverlorn
und bade mich darin

wenn dann der maimond
langsam hochsteigt
hüll ich dich ein
in warmes abendrot

Elsa Rieger

понедељак, 2. новембар 2009.

Miroslav B. Dušanić: Ich-Gespenst

Ich-Gespenst nur…

Das Exil hat mir den literarischen Boden entzogen. Ich wurde zwar umgepflanzt, aber ich habe mich davon nie erholt. Ich bin in der Wirklichkeit nur ein Gespenst geworden, das mit seinem Erfahrungsstoff nicht viel anfangen kann.

Miroslav B. Dušanić

Artikelillustration: © by Marco Uras - "Exil",
(Hommage an Enki Bilal)

mir o (ganz lang gesprochen)
oh dem gespenster-ich
vermeint nur geborgt zu
haben (die erinnerung) all
den schmerz (er gehört einem ganz allein)
keine leihgabe (wer würde den schon
übernehmen?)
o mir wird angst und schlecht
ums herzverrecken

Elsa Rieger

среда, 6. мај 2009.

Elsa Rieger: End gültig

James Mason - Vukovar (Nov. 91)

end gültig

vor gestern sah
es gut aus – weg
gedacht was trennt
im arm gelegen einander
und gesprochen vom
nullpunkt bis miss
ton flackerte in
augen – blicke
hin gefühlt ins
end gültig

Elsa Rieger

среда, 18. март 2009.

Elsa Rieger: Schizophrenie

Handy-Photo (Nokia 6120 classic): Miroslav B. Dušanić - Schizophrenie

ein ich-weiß-nicht-was, das bleibt
ernesto cardenal

liege still und rühr mich nicht:
warten aufs vorübergeh’n –
tue so als wär ich nicht
alles ist ein traum

van gogh schnitt ein stück ohr sich ab
kurt malt mit seinem blut
ruth kann das nicht – ihr blut ist weiß
norbert erschlägt sein kind

zwangsgejackt verstumme ich
mein körper ist nicht da
der kopf schmerzt mich – ich hasse ihn
nun mache ich ihn tot

Elsa Rieger

среда, 4. јун 2008.

Vernetzte Kommentare

© by Harry Clarke
Geh nicht unter die Schatten,
Lethe ist lang nichts für Leben.
Erst wenn die Worte ermatten,
Können wir gar nichts mehr geben.


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ermattet nur tropfen
worte - rot sind sie
zähflüssig hinterlassen
sie ihre zeichen bis
der nächste regen hinfort
sie spült

субота, 22. децембар 2007.

4 Dichter

Die FixPoetryschen Vier


*

mag dich mit mund und wimper
und ohrläppchen für raunen
wenn haut wir von uns raupen
unter laube - blattgezimper

du bist ein engel sagt er und
mädchen ritzen mit messerspitzen
muster in die altersringe der herbstlinge

und so die funken springen
von den stirnen die runzeln
zu wangen die nun schmunzeln
aufgrund worte die winken

wir tragen ohren spazieren und
paraphrasieren - dichten uns lippen
die an pflaumenaugen nippen

Sara Dušanić


derweil du schläfst

derweil du schläfst (ich kann es nicht)
zwischen zerwühlten laken
belausche ich die nacht

sie knarrt klopft grinst
färbt schwarz und tief
schlägt heut die brust und schnell wie
ginger baker: take it back

mit ballettschrittchen
gingst du durchs zimmer
weg von mir und:
morgen ziehst du aus

wie kannst du schlafen
neben mir in dunkelheit
die mich erstickt

Elsa Rieger


Klippenweiß

Unterhalb der Flut liegt der Grund
ändert sich
dich tastend voller Sanftheit

Auch wenn dich der Mond oft stiehlt
dich oft in seinen Armen hielt

schafft es nun nicht mehr dich zu halten
weg von der Wucht der Liebesgewalten

Hier
nun bist du
bei mir

deine Hand
mein Flutensand.

Fabian Tietz


Gutgläubig

Legst
Wie einen Schal
Um den Kragen
Einen Knoten

Reichst
Einen Auftritt
Zum Ausblick
Dem Schönen

Sagst
Sind Zugvögel
Die zum Gruße
kreisen

Lange
Nackte Hälse
Seien in Mode

Wolfgang Schulze

уторак, 31. јул 2007.

Sara Dušanić: Sommerruf

sommerruf

als eine regenperle
über dein augenlid gleitet
gabst du endlich auf
mit deinem erdbeermund
an wolkenfetzen
den sommer zu gebären

Sara Dušanić

Miroslav B. Dušanić

/– als eine regenperle
über dein augenlid gleitet
–
sara dusanic/

erkenne ich
wie tief die herzabschürfung
durch die gesamtheit
deiner worte geht – du sie dir
alle tage wund und heillos schreibst

gut ist das
für jene zu sehen
die hoffnungen verloren

(peitscht weiter
hält wach)

ich sehe
nicht die regenperle nässte dein augenlid
es ist der sturm von innen
überschwappend – mörderisch

Elsa Rieger
_________________________________

Worttalk by Elsa Rieger: als eine regenperle

субота, 26. мај 2007.

четвртак, 28. децембар 2006.

Antwort auf meine „Exiltexte“


Antwort auf meine „Exiltexte“

...sehr gelungene und liebevoll geschriebene Auseinandersetzung mit dem Thema „@miro - also ich, Exil und Heimat“ bzw. „Exil, Einsamkeit und Heimatsuche“ (in der Literatur), aus der Feder der Wiener-Autorin Elsa Rieger:


Für meinen Freund M. aus H.:


exil

fremd bleibt land und die
stadt deiner wahl
– ungewollt –
birgt nichts an erinnerung

wurzellos tragen die füsse
dich durch gassen – echo
klingt hohl aus grauen
mauern und auch rennen hilft nicht

stunden am bahnhof vom heim-
reisen träumen – eine whiskyflasche im
mantelsack neben der faust

raufst dein haar tief in die nassen
augen – jemand wirft eine münze
während du versinkst im
boden bleibt fremd

Elsa Rieger


heimat

komm – lass mich freund sein
ein stück wurzel in deiner fremdheit
die nur langsam näher wird

hart rollt deine zunge mutterlose
sprache – fühlst betrug in jeglichem wort
wenn es wohlgeformt die lippen

überquert – verlierst ursprung
angst zu vergessen – wer du bist

ich nehme deine hand
weg vom bahnhof – komm

Elsa Rieger

Hörversion als mp3(1.47 MB) downloaden

четвртак, 23. новембар 2006.

Meine Literaturfreundin: Elsa Rieger aus Wien



Die Wiener Autorin Elsa Rieger arbeitet im Hauptberuf als niedergelassene Atemsynthese-trainerin.
Nach Schauspiel-ausbildung und Buchhandelslehre war sie in der Inspizienz und Abendregie des Theater der Courage beschäftigt und veranstaltet Performances mit Pantomime, Live-Musik und Text.Ihr "LichtSchatten" -Brevier umfasst ausgewählte Prosa und Lyrik.

"Mich fasziniert das Menschsein, Menschbleiben in unserer Welt der Polaritäten. Ist es nur möglich, ein kriegerisches 'Entweder - Oder' ins Leben hinauszubrüllen und darauf zu beharren, Recht zu haben?
Oder haben wir die Chance, uns auf ein behutsames 'Sowohl als auch' einzulassen und in die Welt zu tragen, damit sich die Akzeptanz unter uns ausbreiten kann?
Die Akzeptanz, dass schwarz nicht immer einfach schwarz und weiß nicht unbedingt für jeden gleich weiß ist. Lachen und weinen - zwei gegensätzliche Gefühle - und doch so nah beisammen im menschlichen Gesicht. Sowohl als auch. Das verbinde ich in meinen Texten."


LichtSchatten
Prosa Lyrik - Brevierausgabe, ProLyrik, Band 1 - FV-Verlag - Lübeck
ISBN: 3-9810061-0-0