петак, 11. април 2008.

Miroslav B. Dušanić: Anastasija Petrovna

Мирослав Б. Душанић

Anastasija Petrovna 

Nur manchmal in der Stille der Nacht
zeigt sie ihr Gesicht und schweigt
wie ermüdet vom schlaf oder
ich bilde mir nur ein: sie gibt es noch
zwischen Zeige- und Mittelfinger
elegant in einem sehr wehen Licht
malt sie einen Lidstrich um die Augen 

Miroslav B. Dušanić

Miroslav B. Dušanić: Helden verstaubter Wege

Мирослав Б. Душанић

Helden verstaubter Wege

Im Hin und Her der Körper
zwischen Tisch und Schatten
unsere Augen brennen
uns bestäubt die Asche
schwebend
wie ein verblühter Löwenzahn
der lange im Winde hängt.

Miroslav B. Dušanić

четвртак, 10. април 2008.

Miroslav B. Dušanić: Ein Dichter erzählt über Anastasia Petrovna

Rodolphe Bresdin: La comédie de la mort

Ein Dichter erzählt über Anastasia Petrovna

                                   Es gab ´ne Zeit, wo kalter Schauder mich fasste,
                                   wenn der Nachtvogel schrie; das ganze Haupthaar
                                   bei einer schrecklichen Geschicht´ empor
                                   sich richtete, als wäre Leben drin.          
                               (Shakespeare: Macbeth)

Inmitten der Nacht stand sie am Fenster
und zeigte auf etwas Unsichtbare.

Nackt. Völlig nackt.

Aber dann zerbarst der Mond
in Tausend Blüten,

und verkündete den Weltuntergang.

Miroslav B. Dušanić

Miroslav B. Dušanić: Nr. 19

© by Biljana Cincarević
Nr. 19

wir fanden uns nicht
meine abendlichen küsse
flogen alle heim.

Miroslav B. Dušanić

среда, 9. април 2008.

Fabian Tietz: Gedichte



Gedichte sind Boote die einen in unbewusste Gewässer führen. In schöne und schauderhafte Landschaften voller Aussagen, Geschwätz oder absoluter Stille.

Fabian Tietz

Miroslav B. Dušanić: Unterkunft

Leonid Šejka - [aus Bilderzyklus "Abladeplätze"]
Unterkunft

Die Worte ins Dunkel
abgeschoben

Das Dunkel
durch schmale Pupillen
ins Herz verankert

Das Herz ist riesig

Kein Wind bewegt
Kein Ton erschreckt
Kein Weg führt zurück

Miroslav B. Dušanić


Leonid Šejka
Es wäre falsch zu glauben, ich hätte die Absicht, die Welt zu verändern, sei es auch im geringsten Ausmaß. Ich habe einfach nach einem Riss in der Welt gesucht, die mich umgibt und auf die ich keinen Einfluss habe, um mich dort anzusiedeln.

Leonid Šejka

уторак, 8. април 2008.

Miroslav B. Dušanić: Peter Handke. Sein Buch. Ein Nachhall. Und Ich.


Peter Handke. Sein Buch. Ein Nachhall. Und Ich.

Es gibt Tage
da blättere ich unaufhörlich
in Handkes Buch
suche bekannte Gesichter
in einer fremden Landschaft
und warte verängstigt
auf die Dämmerung und darauf
im Haus auftretende Stille

Es gibt Tage
da habe ich große Angst
die Nacht alleine zu verbringen
und gehe ganz ohne Laut
durch die Hildesheimer Straßen
weiter zum Horizont
auch wenn da keiner wartet
nicht einmal Peter Handke

Miroslav B. Dušanić

Andrzej Szczypiorski


Am Morgen wachte er missmutig auf, und am Abend schlief er in der gleichen Stimmung wieder ein. Seine Wunden vernarbten. Es folgte dann das, was er für die härteste Strafe hielt. Er ertrank in dem trüben, warmen Wasser des Gewöhnlichen, der Banalität, der Trivialität, der Langeweile, der Dummheit und der fehlenden Hoffnung auf ein Erdbeben, das alldem ein Ende bereiten würde.

[...] Es war ihm zur täglichen Gewohnheit geworden. Er saß in dem alten, abgewetzten Sessel. Und wartete. Immer mehr von der Sinnlosigkeit solcher Gedanken überzeugt, wartete er auf die Ankunft eines anständigen Todes.

Andrzej Szczypiorski : Feuerspiele

понедељак, 7. април 2008.

субота, 5. април 2008.

Miroslav B. Dušanić: So mag ich mich nicht


So mag ich mich nicht: Im Gesicht
Donnerschläge entdeckt

Eingenistet im Bart
Lagern sich ab
Spannen sich auf

Miroslav B. Dušanić

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So muss ich mich mögen:
Zeichen des Alterns
graben sich ein
um die Augen
Krähen begutachten ihre Füße:
Geschmeidig und kraftvoll!
Beleidigt krächzend
ziehen sie davon...

© by claudia jo
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Aufeinandergeschichtet

Aufeinandergeschichtet

Ein Glockenlied
so zwischendurch

lärmend

Schmerzen
in der Brust

so tief
so tief in die Nacht

ein Glockenlied
vom Himmel gießt

mit der Wucht

Miroslav B. Dušanić


Miroslav B. Dušanić

Einst
War ich
Nur noch sie
Der Weg war weit
Zurück
.

~~~
.
Wach gerütteltes
Vergessen -
Daumenschraube
Um die Brust gelegt


Miro -
Nicht der
Miro der Schreiber
Rührte das Blut


Einer immer rief
“Ich kriege dich
Ich habe dich schon”
Am rechten Ohr


Gesteinigtes Herz
Atem so kurz
Wie die Angst
Lang war


In der Wucht
Des Erstarrens
Brannte das Fleisch
Vom Bein


Lass gut sein
Mit deinem Glockenlied
Lass es gut sein
Lass es


уторак, 1. април 2008.

Danilo Kiš: Homo poeticus

ISBN 3-446-17052-9
Ein echter Text ist ein solcher, der geschrieben wurde, weil er geschrieben werden musste. Das ist aus dem Text zu spüren. […] Ein echter Text entsteht nicht aus handwerklicher Fertigkeit, sondern aus Zwängen und Empfindungen, die den Autor zum Schreiben getrieben haben.

Danilo Kiš: Homo poeticus