недеља, 8. фебруар 2009.

Miroslav B. Dušanić: Ist das Leben nicht schön?


Ist das Leben nicht schön?

Mein Blick lässt sich nicht mehr täuschen
und beschränkt sich Tag für Tag
auf ein äußerst karges Minimum.
Er entscheidet sich für die Existenzweise
des Seins und nicht des Habens.

Miroslav B. Dušanić

петак, 6. фебруар 2009.

Miroslav B. Dušanić: Winterimpressionen aus meiner Heimat





In der Gemeinde Pojezna (Kreis Derventa) in Nordbosnien (Serbische Republik) wurde ich am 23. November 1961 geboren. Hier lernte ich den ersten Buchstaben, zuerst in der kyrillischen und dann (ab dritte Klasse der Grundschule) in der Lateinschrift. Hier befreundete ich mich mit den Büchern und lernte diese Freundschaft zu pflegen und zu schätzen. Sie begleiten mich noch immer treu durch alle meine - mehr schlechten als guten - Lebensabschnitte.

Und „wie das Leben wollte“: im Sommer 1975 „packte ich meine Erlebnisse“ und für immer verließ diese Landschaft, kreuzte hin und her, durch und quer (fremde Landschaften) und landete in Hildesheim. Den Geburtsort habe ich nie mehr besucht…die veröffentlichten Fotografien sind die ersten Einblicke, die ich nach all diesen „Wanderjahren“ wiedermache.

Und wie fühlt sich man…

Miroslav B. Dušanić


/Vielen Dank an Journalist Savko Pećić, der mir diese Aufnahmen zusendete!/

Овом приликом желим посебно да се захвалим господину Савку Пећићу, који је био тако љубазан и уступиo - мени веома драге - фотографије из завичаја.


Pojezna: Dorfskirche aus 1893


Pojezna google map

среда, 4. фебруар 2009.

Metamorphosis / Die Verwandlung

© by Viktoria Weihman - Vicky
© by René Fijten
© by Elaine Rich - Metamorphosis (1995)

wie eine schimäre
nicht unschuldig
böse, saugend,
lustverströmend,
krallt sie sich ein,
ein-zwei-drei-vier-bein-haft,
und dabei lächelnd,
strichhaft,
feucht,
papieren verhaftet,
unverdingt,
lichtverdichtet,
eine schimäre,
figur,
aus
traum...

© by Gabriele Brunsch


Salvador Dali - The Metamorphosis of Narcissus (1937)

Es ist das Gewissen

es ist das gewissen
mit der roten wand
die wellen bricht
mit misstrauen
und grapschenden fingern
nach deinem leben greift
zu fassen versucht
und alle deine je besessenen lebensbeine
bluten macht.

© by Fabian Tietz

Miroslav B. Dušanić: Bilder aus dem Körperhaus 2

© by Dragan Karadžić
bilder aus dem körperhaus
2

es war eine gnadenlose zeit
ein rätsel längst verstaubt
in den engen finsterhöhlen
ein gift die schlangenhaut
so tief die überforderung
so tief tief in allen formen
in meinem kopf verankert

es ist eine gnadenlose zeit
in schluchten ein feuer plagt
der himmel das laub in grau
mein atem ins leere hinaus
kraftvoll kraftvoll kraftvoll
das skelett und die sense
morgen um morgen gejagt

Miroslav B. Dušanić

уторак, 3. фебруар 2009.

Miroslav B. Dušanić: Bilder aus dem Körperhaus 1

Gustave Doré

bilder aus dem körperhaus
1

im spiegel die schlangenhaut
urmütterlich ein rätsel
die angst tropft in die augen
mein atem mein schritt
kühl und hart kühl und hart
in endlosem sturz ohne dich
kein weh in den gliedern
keine regung keinen krampf
so fremd so fremd so fremd
morgen um morgen
wacht mit mir die rabenbraut

Miroslav B. Dušanić

субота, 31. јануар 2009.

20. Todestag von Thomas Bernhard

Am 12. Februar jährt sich der Todestag von Thomas Bernhard zum 20. Mal. In Österreich wurde Bernhard aufgrund seines provokanten Schreibens zur Unperson erklärt, obwohl er viele Literaturpreise erhielt. Heute werden seine Stücke in ganz Europa gespielt.

3sat zeigt das Porträt "Das war Thomas Bernhard - Der Dichter im Gespräch" bereits am Sonntag, den 8. Februar um 10.45 Uhr. Und am Samstag, den 7. Februar steht um 22.25 Uhr in 3sat die Dokumentation "Die Heimatkunde des Realitätenhändlers" von Andreas Gruber auf dem Programm: Der Handelsreisende, Ferkelgroßhändler und Immobilienmakler Ignaz Hennetmair war ein Nachbar Thomas Bernhards und lange Zeit eine wichtige Person im Leben des Schriftstellers. Der Film fragt, weshalb sich Thomas Bernhard gerade Hennetmair als Freund ausgesucht hat. Eine indirekte Antwort darauf geben u.a. Hennetmairs Beschreibungen und Erzählungen.

© by Erika Schmied / Residenz Verlag
Man kann von einem Augenblick auf den anderen aus der Tragödie (in der man ist) in das Lustspiel eintreten (in dem man ist).

Thomas Bernhard
 

ISBN: 9783701730896

Beatrix Brockman: Vereinsamt


Komposition mit
Grau, Blau und Baum
Bohren sich Wurzeln
in die Erde wie sich
dürre Zweige in die
Himmel krallen

See-l-astig Horizont
verbunden blauäugig
durch graue Wolken
Decke Wasser gespiegelt
in blauweißgrauer
Harmonie

Beatrix Brockman

петак, 30. јануар 2009.

субота, 24. јануар 2009.

Gabriele Brunsch


Seit ein Gespräch wir sind
Und hören können voneinander...

ist uns der Augenblick der Pein,
der dunkle, licht erhellt.

Seit ein Gespräch wir sind
Und hören können voneinander...

kehren Gedanken wieder ein,
die vor der Zeit verstellt.

Seit ein Gespräch wir sind
Und hören können voneinander...

scheint Haus und Hof im Glanze
überzuckert in besonderer Weise.

Seit ein Gespräch wir sind
Und hören können voneinander...

weiß ich, die Seele schimmert nur,
die Welt sie bleibt erstarrt im Eise.

Gabriele Brunsch

© by umbra
Weiß ich, die Seele schimmert nur,
die Welt sie bleibt erstarrt im Eise,

ist mir ganz gleich wenn ich in deiner Nähe bin.

Weiß ich, die Seele schimmert nur,
die Welt sie bleibt erstarrt im Eise,

geb' ich zum Schutz mein Ego neuen Höhen hin.

Weiß ich, die Seele schimmert nur,
die Welt sie bleibt erstarrt im Eise,

will ich nichts mehr als unsichtbar verschweben.

Weiß ich, die Seele schimmert nur,
die Welt sie bleibt erstarrt im Eise,

bleibt mir verdammt noch mal nicht mehr, als mein kleines Leben zu leben.

Fabian Tietz

© by ECO Time
Seit ein Gespräch wir sind
Und hören können voneinander
sind wir geschwind und wie
die Wanderer einander

© by SuMuze

петак, 23. јануар 2009.

Miroslav B. Dušanić: Spirituelle Dimension

© by Matt Jones
Spirituelle Dimension

Eine Täuschung oder ein Artefakt: Ich wollte, ich wäre ein Haus.

Miroslav B. Dušanić
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Wir sind leer geworden, entleert nicht nur von den Stoffen und Dingen, den Waren und Werkzeugen, von Reichtum und äußerem Gut, sondern bitterer und entsetzlicher noch, von unseren Idealen, dem Wunder, dem Glauben und selbst von den Göttern… Wir sind bis auf Grund aller menschlichen Existenz gesunken…

Richard Mattheus, "Dionysos", 07. Mai 1948

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© by Saša Lazarević
Nein, oh, nein,
ein HAUS SEIN?
N I E M A L S !

Wären wir ein Haus,
dann wären wir zumindest von Grund auf statisch,
von der untersten Ebene
bis in die lichteste Höhe des First
abhängig von den Bewohnern
ihrer Zuneigung, ihrer Liebe,
ihrem Kunst- und Sachverstand,
ihrem Geld...

Unser Leben, unsere Belebtheit,
wäre Ausdruck ihres Lebens, ihrer Vernunft,
ihrer Kunstfertigkeit, ihrer Zuwendung...

Ausgeliefert, dem Wetter, dem Sturm,
dem Wasser, der Verrottung, dem Schimmel,
der Nachlässigkeit, der Vernachlässigung,
das sind Häuser, wenn sie die Generationen
wechseln, wenn das Leben in ihnen nachlässt,
still wird...

Ja, wer ein trutziges Schloss sieht,
eine feudale Villa, den Bungalow,
der meint, das wär was,
ja, dieses Haus sein,
mit diesem Glanz, dieser Festigkeit,
diesen Widerstand haben, nach außen hin...

Das trügt mich nicht,
ich vermag reich und mit frischem Atem
immer aufs Neue den Park zu wechseln,
mir meine Umgebung und Inhalte wählen...
ich muss niemanden in mir hausen lassen,
kann die Geister verscheuchen, die
mir die Seelenzimmer belasten mit
ihren Karos und kleinen Mustern,
mit ihrer Sprache, die hager rasselt...

Ein Haus haben, das will ich schon.
Will ihm und würd ihm das Schicksal versüßen,
mit meiner Liebe, solange ich kann,
aber ein Haus - sein? - das will ich niemals!

Gabriele Brunsch


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Wenn wir Häuser sind,
Kann sein,
Dass uns die Bewohner pflegen,
Vielleicht auch
Renovieren sie uns kaputt.

Wenn wir Häuser sind,
Werden wir Ruinen. -
Oder stellt man uns
Unter Denkmalschutz?

Paul Spinger

уторак, 20. јануар 2009.

Miroslav B. Dušanić: Nr. 26 & 27

Nr 26

im dämmerschein des tages
meine hände ernten licht

Miroslav B. Dušanić

© by kinnas - a house (Haus)

Nr. 27

kein Wehlaut: die Lichter gehen aus
und das hört nicht mehr auf…

Miroslav B. Dušanić

понедељак, 19. јануар 2009.

Miroslav B. Dušanić: Ich hinterlasse keine Spuren

© by Javier Gil (2007)
Ich hinterlasse keine Spuren
ich bin ein Flüchtling
ich laufe leise

Miroslav B. Dušanić
















flüchtig sei sein schritt,
flüstert tonlos der flüchtling -
die spur bleibt dennoch...

Gabriele Brunsch


Es ist ein Zwischenbericht, der nach einer Endfassung schreit, die dann vielleicht wieder anders sein wird...

"Zwischenbericht vom verzweifelten Versuch den Wert unseres Lebens und Wirkens im Darüberhinaus ein wenig humorvoll - desillusionniert darzustellen!"

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Inmitten: Du! Lebens-Mittelpunkt!
Mit begrenzter Wahrnehmung –
voll reziprok.

In diesem Mini-Zeit-Desaster –
Anfang, Aufbau und Ende,
ist alles drin.

All und alles, Welt und weltliches,
Der Urkern und die Urkraft,
und auch der Geist.

Weil du alles bist, Du bist die Welt,
ist alles so einmalig,
unbeschreiblich.

Was von uns bleibt, ein Häuflein Knochen
nur, vielleicht, verscharrt, verdorrt,
verfault, zu Staub.

Was von uns bleibt, ist Teil der Erde,
immer da, ist niemals weg,
bleibt, immer da.

Hat und bleibt immer gänzlich An-Teil,
unsichtbar, bedeutungslos,
und ist doch da.

Wie mächtig ist die Zeit der Zukunft,
von der wir An-Teil bleiben,
selbst un-bewusst.

Was drüber ist, vom Wind getragen
von Feuer versengt, verkohlt.
Wort – Bild und Klang.

Was drüber ist, Mond und Sonne,
kalt und heiß und Wettersturm.
Und alles Nichts...

Und alles und das Nichts – allnichtig –
wortgedankenleer und unbeseelt,
inmitten: Du!

Gabriele Brunsch