субота, 9. јун 2012.

Hendrik Rost: Notiz an das Neugeborene

Hendrik Rost
Notiz an das Neugeborene

Verzeih, wenn du kommst, wie es
hier aussieht, leblose Information
fliegt überall rum: Klimawandel,

Endlager, Menschenjagden … Alles
stapelt sich, Massakernachrichten,
Tsunamis brechen durchs Wohnzimmer,

Tumulte in Massen. Wir wissen genau,
was uns einst stürzen lassen wird.
Sei dabei. Es geht vorüber. Verzeih …
(Februar 2011)

Hendrik Rost

Мирослав Б. Душанић: Оборени јахач

Антун Масле: Оборени Јахач (1959)
Оборени јахач

призивала га пространства далека
пространства непозната

надирао је силно —

пробијао се утртим и стазама забитим
порушио све утврде и капије
прегазио границе
једну за другом

постао је велики освајач —

пао је понижавајући и недостојно
тамо гдје је најмање
очекивао:
на вратима самољубља

Мирослав Б. Душанић

четвртак, 7. јун 2012.

Miroslav B. Dušanić: Gewiss unvermutet

© by Snežana Petrović
gewiss unvermutet

die melodie hast du erkannt
immer mit den besuchern
ändert sich alles einfach ab
es genügt dass jemand kommt
im zimmer mit dir spricht
deine augen gewinnen an glanz
sofort hast du das gefühl
die beine wieder schwingen
sind leichter als papier
deine hände sind noch schön
deine brüste fest

Miroslav B. Dušanić

© by Snežana Petrović

Gabriele Brunsch: Zustandsbeschreibung & Bernhard Albrecht: Niemandskleid

© by shime02: Zaplanje
zustandsbeschreibung

es sind die erkenntnisse
im zwangsbefristeten raum
die uns beschweren
die wir, von scham erfüllt,
nur stammelnd
einander gestehen.
wie sind wir doch roh, so roh,
blutig-gekratzt,
bis auf die knochenhaut der seele.

gottlos geworden –

kläglich steh ich im niemandskleid
aus zerrupftem krähengefieder
(erinnerungsfetzen verblassender filmschnitte,
nicht mehr zu ertastender lebens-ich-sequenzen -
was hat sich alles dazwischengeschoben,
hat mich von mir selbst entfernt)
und weinen nützt nichts mehr.

schreien vielleicht…
draußen im wald!
doch der ist fremd,
ist nicht heimatlich.

gäbe es denn trost im heimatlichen wald?
dort, wo wir den kuckuck hörten,
den ersten, den der vater bewertete:
frühling ist’s, darfst barfuß gehen, kind, jetzt!

wer war damals gott?
war es der vater, die mutter, die luft,
das über-drüber-ideen-stoff-gebilde
aus vertrauen und liebe,
froh, lichthell, bezaubert, so stark,
dass es die zukunft fühlte,
bei jedem schritt,
barfüßig selbst zukunft war.

das innere und äußere jetzt,
geschrumpfte dimensionen
sich stetig weiter verengend.
atmend ein zeit-surrogat.

Gabriele Brunsch

Copyright Alle Rechte vorbehalten von wild goos
Niemandskleid

Blind tastend bewegst Du Dich
durch das Nebelmeer,
der Bodenlosigkeit ausgeliefert,
angstvoll den Atem innehaltend.

Du spürst von innen die Hände,
die an Deinem Niemandskleid weben,
weisst aus unerklärlicher Zielsicherheit
mit erschreckender Klarsicht,
dass in Dir allein der Angelpunkt liegt,
durch den das Blatt der Entscheidung
sich wenden lässt.

Wirst Du die innere Not aufheben,
erwachend im Ich - Dir mutig Weisung geben?!

...

Bernhard Albrecht, 06.06.2012

Joan Salvat-Papasseit: Missenyora la Mort (Milady Death)

Joan Salvat-Papasseit

Missenyora la Mort,

ha volgut visitar-me
dins les quatre parets de ma cambra
tancada.
Vestia-la una túnica vermella,
i sense soroll d'ossos s'arrossegava
impúdica en son pler.

Missenyora la Mort,
tenia els ulls d'instant.
L'instant que pot occir-me
i pot enamorar-me:
perquè sóc delitós de calenta fretura.
Son rostre fit al meu.
Pro jo ja l'esguardava
perquè s'avergonyís de ses passions,
car m'era el patiment per ma obra
d'esperit.

Missenyora la Mort
m'ha fet una ganyota de menyspreu,
i mercè d'esvair-se
de les quatre parets.

Joan Salvat-Papasseit

© by Marina

Milady Death,

would visit me
in the four walls of my room
entombed.
She wore a scarlet tunic,
and slipped around
no sound of bone
shameless in her pleasure.

Milady Death
had a quick eye.
The quickness that could kill me
seduces me:
for I delight in the fever of need.
Her face fixed on mine.
But I beguiled her
with the shame of her passions,
for the pain they brought
to the labour of my soul.

Milady Death
has grimaced with disdain,
and graced me by her fading
from the four walls.

Joan Salvat-Papasseit

среда, 6. јун 2012.

Miroslav B. Dušanić: Hautgedächtnis mit Schatten

Miroslav B. Dušanić
Hautgedächtnis mit Schatten

Ich –

erinnere mich an nichts

war schon an die Grenze
angelangt
von der es kein Zurück
mehr gab

Wer hat die Todeslandschaft
gemalt

Ich –

erinnere mich nicht
wie alles angefangen hat

Aber die Nacht –

hat sich im Raum verfängt
streckte die Zunge aus
noch immer
fühle ich die feuchte Kälte

Miroslav B. Dušanić

Michael Palmer: Gegenschein


Poem

So reisten wir
mit einem Splitter in jedem Auge

immer parallel
zum Horizont, immer seitwärts

Wolken entstiegen bröckelndem Backstein
wo Symmetrien von Brot sprachen

Sie sprachen von Briefen
in Kellern und Fluren verloren

und flüsterten das Nahen von Schnee
obschon viel zu leis um gehört zu werden

Michael Palmer

ISBN: 3937445471

понедељак, 4. јун 2012.

Piotr Sommer: Ein freier Tag im April

Piotr Sommer
Der Baum auf dem Powazki Friedhof

Alle Erinnerung verdanken wir den Gegenständen,
die uns lebenslang bei sich aufnehmen und
uns zähmen – mit Berührung, Geruch
und einem Rascheln. Darum fällt ihnen
die Trennung von uns so schwer: bis zuletzt
führen sie uns durch die Welt,
bis zuletzt benutzen sie uns, verwundert
über unsere Gleichgültigkeit und den Undank
der berühmten Spinnerin Mnemosyne.

Piotr Sommer
/Übersetzung: Doreen Daume/

ISBN: 3902113138

Tadeusz Dąbrowski: Gedichte

© by 2012 zdjęcie: Tadeusz Dąbrowski

Falls

jemanden die Wahrheit
der Zeit interessieren sollte, in der ich lebte,
würde ich sagen:

Vor meinen Augen verwandelte Liebe
sich in Sex,
Sex in Pornografie,
Pornografie
in Liebe.

Viele Male.
Immer schneller.

Tadeusz Dąbrowski
/Übersetzung: Renate Schmidgall/

ISBN: 8385568743

Fragmenty dyskursu miłosnego

Nakryłem ją, gdy przeglądała pismo
pornograficzne. Wskazując palcem na zdjęcie
nagiego mężczyzny, zapytałem: Co to?

Ceci n’est pas une pipe – odpowiedziała,
biorąc mnie w nawias swoich nóg. A dziś
wróciłem wcześniej z pracy i w korytarzu

wpadłem na nagiego mężczyznę, zapytałem:
Co to? – wskazując na niego, a raczej na jego
męskość ze świeżym śladem szminki. To jest

fajka – usłyszałem odpowiedź kobiety, z którą
wciąż sypiam, bo nie potrafię udowodnić jej
zdrady.

Tadeusz Dąbrowski

ISBN: 3939557943


Fragmente einer Sprache der Liebe

Ich erwischte sie mit einem Pornoheft. Mit dem Finger
zeigte ich auf einen nackten Mann und fragte: Was
ist das?

Ceci n’est pas une pipe – antwortete sie und nahm mich
in die Klammer ihrer Schenkel. Heute kam ich
früher von der Arbeit und stieß

im Flur auf einen nackten Mann. Ich fragte: Was
ist das? Und zeigte auf ihn, oder sagen wir auf
sein Geschlecht, die frischen Lippenstiftspuren. Das

ist eine Pfeife – antwortete die Frau. Ich schlafe
noch immer mit ihr. Ich kann ihr nicht beweisen,
dass sie mich betrügt.

Tadeusz Dąbrowski
/Übersetzung: Andre Rudolph, Monika Rinck u. Alexander Gumz/

недеља, 3. јун 2012.

Мирослав Б. Душанић: Заокружена будућност

© by weissesrauschen
Заокружена будућност
  
             „Баш ми ништа не недостаје, рече и подиже поглед са ручног
              рада. Али завичај, не, ово овдје ипак није мој завичај. Већ сама
              ријеч завичај, не, то се ником не може објаснити, завичај 
              тек кад га више нема, човјек схвати шта је он.“
                                   (Ханс-Јоахим Нојбауер: Заокружена прошлост)

Бомбе више не падају и нема принудне
Мобилизације
Али и с падом режима у Србији
Избјегли и прогнани и даље остају непожељни
Њихова упорна њежност и превелика љубав
Према завичају
Постали су оптерећење и предмет осуде
У вријеме глобализације

Мирослав Б. Душанић

субота, 2. јун 2012.

Gustavo M. Galliano: Alguien observando

Gustavo M. Galliano

Alguien observando

Te he observado espiar tras las cortinas,
con la mirada perdida en algún horizonte,
devorando a otras gentes tan indiferentes
que machacan veredas solo por costumbre.
He notado la inquietud de tus pupilas,
con manos crispadas por tanta impotencia,
y un suspiro profundo empañó los cristales,
sin poder destruirlos como hubieras deseado.
Te he visto observar desde tu fortaleza,
con frente sudorosa y aspecto cansino,
bebiendo la brisa que obsequia la noche,
sin penas ni glorias, solo por destino.
He descifrado de pronto tus dudas y temores,
náufrago del llanto que abraza la impaciencia,
soñando una isla sin tesoros ni puertos,
y miles de gaviotas de incesante vuelo.
Te he visto observar hacia mi ventana,
papel y lápiz en mano, escribiéndome algo,
y dudé entonces si en verdad existías
o un gigantesco espejo pendía del cielo.

Gustavo M. Galliano

Александар Ристовић: Мали тањир

Александар Ристовић

Мали тањир


Ми који кусамо из великих тањира
осећамо се помало као кривци, јер тамо неко
(преко пута нас) завирује у свој мали тањир.

Ослушкујући наше сркање и разговор,
тај се огледа у свом малом тањиру: масна
језерца чорбе умножавају му лице.

Срећан је док гледа у свој мали тањир,
осећа се на неки начин Богом, види
оно што други не виде, другу стварност.

За то време ми смо сви ван себе
од јела, од муха што лете нам у чорбу,
од попаца у кухињи, и од простачког говорења о Ничем.

Александар Ристовић

петак, 1. јун 2012.

Linda Hogan

Linda Hogan

Drum

Inside the dark human waters
of our mothers,
inside the blue drum of skin
that beat the slow song of our tribes
we knew the drifts of continents
and moving tides.

We are the people who left water
to enter a dry world.
We have survived soldiers and drought,
survived hunger
and living
inside the unmapped terrain
of loneliness.
That is why we have thirst.
It is why
when we love
we remember our lives in water,
that other lives fall through us
like fish swimming in an endless sea,
that we are walking another way
than time,
to new life, backward
to deliver ourselves to rain and river,
this water
that will become other water
this blood that will become other blood
and is the oldest place
the deepest world
the skin of water
that knows the drum before the hand meets it.

Linda Hogan

Мирослав Б. Душанић: Ноћи метаморфозе

© by Beñat Olea

Ноћи метаморфозе

сваким новим јутром
све мање на себе личим
а то је тако брутално –

у вјечности несанице
смрт из душека израња
и пријети ми стално –

у мртвачки сандук
да колики да је
цијели свијет стаје

Мирослав Б. Душанић